Jeder von uns will anständig behandelt werden

Ei Gude wie
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Anstand! Was ist das? Jeder von uns will anständig behandelt werden, ist auch ganz normal. Oder? Behandelt er dann auch umgekehrt alle anderen anständig? Das wäre konsequent. Richtig! Leider ist dem oft nicht so. Gerade in der Politik, ob groß oder klein, sind genau diejenigen, die absolut korrekt behandelt werden wollen, die größten Dreckschleudern. Wie sagte schon Bundeskanzler Helmut Schmidt: „Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil!“ Hat er da recht? Ich glaube, es kommt auf den konkreten Einzelfall an. Wie ich das meine? Ich schaue mir den groben Klotz an und entscheide dann, wie ich agiere, das heißt welchen Keil ich benutze, falls ich zurückschlage.

Als Anstand wird in der Soziologie ein als selbstverständlich empfundener Maßstab für ethisch-moralischen Anspruch und Erwartung an gutes oder richtiges Verhalten bezeichnet. Der Anstand bestimmt die Umgangsformen und die Lebensart. Eine Gesellschaft bewertet bestimmte Verhaltensformen negativ, zum Beispiel als derb, roh, ungehobelt, unhöflich, ungesittet, feige, oder positiv, zum Beispiel als gut erzogen, höflich, kultiviert, edel, tapfer und unterscheidet „gute“ und „schlechte“ Umgangsformen. Häufig verwendet man in der deutschen Sprache das Wort „Umgangsformen“ ohne den Zusatz „gut“ und meint gleichwohl „gute Umgangsformen“. Umgangsformen fungieren auch als identitätsstiftende Zeichen der Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft bzw. einer sozialen Gruppe innerhalb einer Gesellschaft.

In der Tanzschule lernt man nicht nur die Schrittfolge von Tänzen, sondern auch gesellschaftliche Umgangsformen. So war es jedenfalls in meiner Jugendzeit. Die Fibel hieß „Nobody is perfect“, glaube ich. Es ging im Wesentlichen um die Umgangsformen zwischen Mann und Frau. Der Tanzlehrer sagte immer wieder: „Entweder man hat sie, oder man lernt es nie!“ Gemeint waren gute Manieren. Recht hat er gehabt, sage ich heute.

Ein schönes Beispiel hierfür ist folgende Geschichte, die einem Bekannten passierte. Es war in einer vollbesetzten Straßenbahn in Frankfurt. Er stand mitten in einem Wagon und dicht neben ihm ein älterer Herr, der ungeniert flatulierte, also einen Pups ließ. Man konnte es zwar nicht richtig hören, dafür roch es in der Straßenbahn, als hätte jemand eine Stinkbombe zertreten. Nach verrichteter Entgasung legte der ältere Herr seine rechte Hand auf die Schulter meines Freundes und sagte so laut, dass es jeder hören konnte, „Mach dir nichts daraus junger Mann, das ist mir auch schon passiert!“ Mein Freund kroch augenblicklich in sich und verließ fluchtartig an der nächsten Station die Straßenbahn. Der ältere Herr hatte nicht nur keine Manieren, sondern war auch noch dreist und schob seine Tat einem anderen in die Schuhe. Das ist aber exemplarisch für solche Menschen.

Wie oft habe ich schon erlebt, wie betrunkene Männer über andere herfielen, ihre Sicht der Dinge als die einzig wahre anpriesen und andere niedermachten. Wieder nüchtern, wird alles abgestritten. Interessant sind auch die Reaktionen der zuschauenden Menschen. Meistens will sich niemand mit dem Objekt des Aufsehens anlegen. Ich halt es mit der goldenen Regel: „Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg' auch keinem andern zu!“ Ei Gude, wie!

Zum Autor

Er sei ein waschechter Neuenhaßlauer, sagt er von sich selbst. Helmut Müller (72) ist in Neuenhaßlau als 4. von 7 Kindern geboren und ein typisches Nachkriegskind dazu. Seine Mutter Hessin und evangelisch, sein Vater Sudetendeutscher und katholisch, aber kein Flüchtling, sondern Kriegsgefangener, der nicht in seine angestammte Heimat zurückkonnte. Er wächst in einem 4 Generationen Haus mit den Eltern, sechs Geschwistern, Oma und Opa sowie Onkel und der Ur-Großmutter auf. Der Spielplatz war die Straße. In der Volksschule, die er mit dem Hauptschulabschluss beendete, war deutsch seine erste Fremdsprache, die er lernen musste. In späteren Jahren hat er seine mittlere Reife und das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt und das Ganze als Diplom Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen. Er war in etlichen Vereinen aktiv. Man könnte ihn getrost als „Vereinsmeier“ bezeichnen. Er hat dabei fast alle Positionen, die ein Vorstand hat, begleitet. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!



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