Gastgeberin Bürgermeisterin Olga Schneider begrüßte die Zuhörer*innen mit dem Hinweis, wie wichtig dieses Thema auch für unsere Region sei. „Dinkum Dunnies“, mit dem Titelbild eines Buches über australische Plumpsklos startete Pauly seinen Vortrag über moderne Trockentoiletten und deren Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung.
Die in England erfundene Spültoilette fand ab Ende des 19. Jahrhunderts mit Wasserinstallation und Kanalisation weltweite Verbreitung. Weil der Bau von Kläranlagen viel später oder gar nicht erfolgte, gelangte das Schmutzwasser ungereinigt in Bäche und Flüsse. „Die Älteren wissen das noch“, erläuterte Pauly: „Konnte man in den 1950er Jahren in der Wetter noch baden, stank sie ab den 1960-igern sprichwörtlich zum Himmel. Erst mit dem Bau von Kläranlagen verbesserte sich die Situation. In Entwicklungsländern gelangen heute noch Fäkalien in Gewässer und verursachen Seuchen wie die Cholera. In Deutschland wird Trinkwasser oft über weite Strecken gepumpt. 30% davon, täglich 40 Liter pro Person, landen im Klo. In Summe sind das 3 Milliarden Liter. Das entspricht dem täglichen Trinkwasserbedarf von 1 Milliarde Menschen. Angesichts des Klimawandels mit immer häufigeren Trockenperioden müsse der Wasserverbrauch deutlich gesenkt werden, so Pauly. Durch undichte Abwasserrohre gelangen Schadstoffe in Böden und Grundwasser. Infolge mangelnder Abwasserreinigung gelangen Mikroplastik, Antibiotika und erbgutverändernde Stoffe in die Flüsse. Wegen zur Neige gehender Phosphorlagerstätten muss der lebenswichtige Phosphor recycelt werden. Milliarden Euro werden in Mono-Klärschlammverbrennungsanlagen investiert. Die Asche wird zwischengelagert, da man noch gar nicht weiß, wie man sauberen Phosphor aus der schadstoffbelasteten Asche wirtschaftlich extrahiert. Kürzlich wurde der Bau der Klärschlammverbrennungsanlage in Hamburg-Stapelfeld mitten in der Bauphase gestoppt. „Wenn Milliarden Euro in den Sand gesetzt werden, dürfen wir uns über steigende Abwasserkosten nicht wundern,“ urteilte Pauly.
Phosphorrecycling aus Klärschlamm-Asche folge dem typischen ‚End-of-Pipe-Denken“, kritisierte der Referent. „Die Schäden für Mensch und Umwelt müssen mit hohem Aufwand gemildert werden. Das eigentliche Problem liege vor dem Rohr (resp. Kanalrohr): die Spültoilette. Die Lösung ist die Trockentoilette.“ Trockentoiletten gäbe es schon lange für Einfamilienhäuser. Aus Fäkalien selbst erzeugter Kompost dürfe jedoch wegen darin enthaltener Medikamentenreste nur für Zierpflanzen genutzt werden. Rohrposttoiletten könnten sogar in Hochhäusern installiert werden. Somit bestünde die Möglichkeit, weltweit das Spülklosett zu ersetzen, betonte Pauly. Urin und Feststoffe werden getrennt erfasst und über ein Rohrsystem in jeweilige Entsorgungsbehälter abgeleitet. Feststoffe trocknen in den belüfteten Entsorgungsbehältern. Diese würden turnusmäßig entleert – wie bei der Müllabfuhr. Der Urin werde zu Flüssigdünger verarbeitet. Unter Voraussetzung der Zulassung könnten die Feststoffe regional kompostiert oder zu Biokohle verarbeitet werden. Damit würde ein nachhaltiger, regionaler Phosphorkreislauf entstehen.
Mit der weltweiten Einführung von Trockentoiletten würden mehrere Ziele der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung unterstützt: sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen Energieeinsparung, Klimaschutz, Hygiene sowie Schutz des Lebens im Wasser und an Land. In der abschließenden Diskussion gab es Vorschläge, was in der Wetterau getan werden könnte: Sammeln von Urin, wo viele Menschen zusammen kommen: bei großen Festen, in Bildungsstätten, Veranstaltungsgebäuden, Hotels etc.: Prüfung der Investition in eine Dünger-aus-Urin-Anlage und für die Feststoffe Anlagen zur Kompostierung oder Pyrolyse. Der nächste Vortrag findet am 24.10.24 um 19:00 h im OVAG-Wasserwerk Inheiden statt. Die Veranstalter würden sich über eine rege Teilnahme sehr freuen. Text: Theo Pauly
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