War früher wirklich alles besser? Wenn man den Worten von unseren Großeltern traut, ja dann haben sich die Zeiten meistens zum Schlechteren verändert. Die Kinder folgsamer, die Menschen fleißiger, das Wetter beständiger, wenn nicht deutlich besser, und überhaupt die Preise waren früher viel niedriger.
Bei genauem Hinsehen tun sich jedoch Wahrheiten auf, die dieser Aussage diametral entgegenstehen. Betrachtet man die Lebensmittelpreise in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, dann konnte man in der Tat für 60 Pfennige (etwa 32 Eurocent) pro Liter Benzin tanken, das Brötchen beim Bäcker kostete ungefähr 15 Pfennig (etwa 8 Eurocent). Das erscheint vergleichsweise wenig, wenn man die aktuellen Preise betrachtet. Dieser Vergleich ergibt jedoch nur dann Sinn, wenn man den Lohn gegenüberstellt. Im Jahre 1960 betrug der durchschnittliche Bruttostundenverdienst 1,29 Euro (etwa ein Euro netto) und die wöchentliche Arbeitszeit lag bei knapp 46 Stunden. Das bedeutet: fast eine Stunde Arbeit für zehn Brötchen! So gesehen hat sich die Lage eigentlich verbessert.
Ein Blick auf die Lebensqualität bestätigt übrigens noch deutlicher, dass heute das Leben wesentlich angenehmer und bequemer geworden ist. Wo früher in der Küche der Kohleherd für Wärme sorgte, bringt heute die Zentralheizung angenehme Raumtemperaturen und das ohne mühseliges Kohleschleppen, anfeuern und Asche entsorgen. Dieser Wohlstand hat natürlich seinen Preis: Die Energiepreise sind nach einem relativen Tiefstand um die Jahrtausendwende mittlerweile auf ein beträchtliches Niveau geklettert.
In Sachen „Bequemlichkeit“ hat sich aber vieles zum Besseren verändert. Die „Einkellerung“ von Kartoffeln, Brikett und Steinkohle und die damit verbundene Mühsal ist weitgehend verschwunden. Schließlich wurden Kohlen bestenfalls in den Kellerraum gekippt. Für ordentliche Aufschichtung war der Kunde verantwortlich.
Auch das Einwecken von Obst gehört heute weitgehend der Vergangenheit an. Die Tiefkühltruhe hat heute den wuchtigen „Einkochapparat“ verdrängt und die meisten Menschen kaufen ihr Obst im Winter ohnehin lieber im Supermarkt, anstatt im Sommer und Herbst die Saisonfrüchte mittels „Einkochen“ selbst haltbar zu machen.
Aber die Älteren unter den Lesern werden sich vielleicht noch erinnern, welche Köstlichkeit beispielsweise eingemachte Kirschen waren, wenn sie im Winter aus dem Weck-Glas als Nachtisch serviert wurden – sozusagen alternativlos würde man heute sagen, denn Saisonfrüchte gab es damals weder als teure Importware oder gefrostet.
Zum Autor
Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (74) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere. Nach Stationen als Redaktionsleiter und Publizist mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von mehreren Büchern ist der gelernte Redakteur bis heute als "Freier Autor" aktiv. Von 1977 bis 2001 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an und war zehn Jahre lang CDU-Fraktionsvorsitzender in Erlensee. Partei und aktiver Politik hat er vor mehr als 20 Jahren den Rücken gekehrt. Er lebt heute mit seiner Familie in Biebergemünd.
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