Friedberg: Oberhessen macht mobil

Foto: Wirtschaftsförderung Wetterau

Friedberg
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Expertenrunde stellt sich den Herausforderungen der Mobilität auf dem Land in Zeiten der Landesgartenschau und darüber hinaus. Die Landesgartenschau (LGS) im Jahr 2027 scheint noch sehr weit weg. Dass der Eindruck täuscht, wissen diejenigen am besten, die sich seit einiger Zeit mit den Einzelheiten der Organisation auseinandersetzen. Dazu gehört auch die neu gebildete Steuerungsgruppe „Mobiles Oberhessen 2027“, die sich regelmäßig alle sechs bis acht Wochen an verschiedenen Orten in der Region trifft.

Mit der Leitung und Organisation der Steuerungsgruppe wurde die Wirtschaftsförderung Wetterau (wfg) auf Initiative des Vereins Oberhessen betraut. Hier kommen Experten zusammen, um gemeinsam Ideen und Lösungen für anstehende Probleme zu finden. Mit dabei sind unter anderem Fachleute für den Nahverkehr, aus den Kommunen, vom Landkreis oder von Landesbehörden.
Dabei, so der Plan, soll die LGS, die in insgesamt elf Kommunen stattfindet, nur den Startschuss für eine neue Form der Mobilität im ländlichen Raum bilden. „Unser großes Ziel ist es, die Mobilität in Oberhessen zu verbessern und den Anschluss an das Rhein-Main-Gebiet im motorisierten und nicht motorisierten Verkehr zusammenführen“, sagten Bernd-Uwe Domes und Klaus Karger, Geschäftsführer der wfg, beim jüngsten Treffen der Steuerungsgruppe in Ranstadt.

Zu den ambitionierten Zielen passt auch der Besuch von zwei Mitarbeitern von „ioki“. Das Startup, eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bahn, entwickelt unter anderem Lösungen für neue Mobilitätsformen, die sie in ganz Europa, aber vornehmlich in Deutschland, Österreich und der Schweiz umsetzen. In Deutschland waren sie unter anderem für die Stadt Hamburg tätig, aber auch in ländlichen Regionen. Wie sich Maximilian Giunta und Michael Wurm von ioki mobile Lösungen für die LGS und darüber hinaus vorstellen, erklärten sie den Teilnehmern des Treffens.
Mobilitätsbedarf simulieren

Ziel sei es dabei, den ÖPNV (öffentlicher Personennahverkehr) so einfach und so flexibel wie möglich nutzen zu können. Grundlage ihrer Arbeit sind genaue Datenanalysen, die zeigen, wie sich Menschen fortbewegen, wie ihre Reisewünsche mit dem bestehenden ÖPNV bedient werden können und wo es an Struktur fehlt. Danach werden Lösungen gesucht. Möglich sei eine App, mit der auch der sogenannte On-Demand-Verkehr genutzt werden kann. Bei diesem Service werden die Fahrgäste individuell von einem Standort zum gewünschten Ziel befördert. „On-Demand ist nicht die einzige Lösung“, so Michael Wurm. Aber es sei eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Verkehrsmitteln. Erste Erfahrungen sammeln sie auch mit dem sogenannten Autonomen Fahren. Dabei fährt ein kleines Shuttle, das weitgehend ohne Fahrer auskommt und seinen Weg alleine findet, festgelegte Routen.

Ganz konkret könnten die Planer für die Region Oberhessen den Mobilitätsbedarf simulieren. Daraus ergibt sich ein Verkehrskonzept, das in ein Mobilitätsangebot mündet. Dieses könnte ab 2024 stufenweise eingeführt werden. Im Jahr der LGS würde das Konzept in einen Sonderbetrieb münden, der danach in den Regelbetrieb übergehen könnte. „Unsere Vision und unser Antrieb ist es, den Menschen ein Leben ohne eigenen Pkw zu ermöglichen“, so Wurm. Das sei in der Stadt schon gut möglich. Im ländlichen Raum müsse man noch einiges tun.
Ein anderer methodischer Ansatz nennt sich SUMP. Dieser Sustainable Urban Mobility Plan ist ein Modell des Fachzentrums Nachhaltige Urbane Mobilität des Landes Hessen. Damit werden Schritte und Prinzipien einer nachhaltigen Mobilitätsplanung aufgezeigt. Das Kernziel besteht darin, sowohl die Erreichbarkeit als auch die Lebensqualität in Regionen zu verbessern. Sarah Coordes vom Fachzentrum stellte das Modell im Rahmen des Treffens in Ranstadt vor.

Förderantrag gestellt

Um die hochgesteckten Ziele zu erreichen, braucht es aber nicht nur Expertise, das Ganze muss auch finanziert werden. Daher hat die Wirtschaftsförderung Wetterau einen komplexen Förderantrag mit innovativem Konzeptansatz in Abstimmung mit den Beteiligten der Steuerungsgruppe Mobilität, dem Verein Oberhessen und den LGS-Kommunen erstellt und an das Bundesministerium für Verkehr und Digitales eingereicht. Ob der Antrag mit dem Projekttitel „Mobiles Oberhessen – vernetzt, innovativ und nachhaltig“ – kurz MOVIN‘ erfolgreich ist, werden die Beteiligten allerdings erst zum Ende des Jahres erfahren. „Dieser Förderaufruf ist hochspannend, aber es ist sicher überhaupt keine Selbstverständlichkeit, dass wir bei der ersten Beteiligung an einer herausragenden bundesweiten Ausschreibung als Modellprojekt gleich berücksichtigt werden“, hob Domes hervor. Vielmehr sei von Bedeutung, führte er weiter aus, dass eine Steuerungsgruppe mit ausgewiesenen Fachleuten zum Thema Mobilität ins Leben gerufen wurde, die es künftig ermöglicht, sich an bedeutenden Förderaufrufen qualifiziert zu beteiligen. Ziel sei es, die Erprobung intelligenter Mobilitätslösungen zu einem ganz eigenen Thema der LGS zu entwickeln, als Pilotprojekt für neue Mobilität im ländlichen Räumen.

Das errechnete Fördervolumen beträgt knapp 13 Millionen Euro. Bis zu 80 Prozent werden dabei vom Bund gefördert, weitere 15 Prozent steuert voraussichtlich das Land zu. Gefördert werde unter anderem die gesamte Planungsleistung, die bauliche und technische Infrastruktur, die Beschaffung einer Fahrzeugflotte für umweltgerechte und effiziente Mobilität, darüber hinaus auch eine Koordinationsstelle für den Zeitraum von drei Jahren. Ab 2025 sind auch die Kosten für ein autonomes Fahrzeug enthalten.

Die ausführliche Projektskizze umfasst eine Mobilitätsanalyse, die Simulation zukünftiger Bewegungsmuster und darauf aufbauend sogenannte Mobilitätsstationen mit bedarfsgerechtem Ausbau und Ausstattung an den jeweiligen Standorten wie Bahnhöfen, Verkehrsknotenpunkten und städtischen oder dörflichen Zentren. Drei Kategorien sind angedacht: Mobilitätsstationen, Mikro-Mobilitätsstationen und Andockstationen. Dort könnten Car- und Bike-Sharing-Angebote, Ladesäulen für E-Fahrzeuge, Möglichkeiten zum sicheren Abstellen von privaten Fahrrädern sowie Zugänge zu Haltestellen des ÖPNV bis hin zu On-Demand-Shuttles zu finden sein. Zusätzliche Elemente im Bereich der Daseinsvorsorge könnten hier ebenfalls ergänzt werden.

Dieser Antrag sei für das wfg-Team eine echte Herausforderung gewesen, so Domes und Karger, die den konzeptionellen Ansatz, auf Geo-Daten-Technologie basierte Skizzen und Pläne mit Unterstützung der Steuerungsgruppe und Verkehrsexperten aufgesetzt hatten. Nur wenige Wochen blieb ihnen Zeit, um das hochkomplexe Werk einzureichen. Jetzt bleibt abzuwarten, ob der Antrag auf Anklang stößt. Beim nächsten Treffen der Steuerungsgruppe wird es allerdings noch keine Ergebnisse geben. Dieses findet bereits in sechs Wochen in Nidda statt.

Die Steuerungsgruppe „Mobiles Oberhessen 2027“ trifft sich regelmäßig. Das jüngste Treffen fand in Ranstadt statt. Fachleute für den Nahverkehr, aus den Kommunen, vom Landkreis oder von Landesbehörden. Die Wirtschaftsförderung Wetterau (wfg) leitet den Arbeitskreis.



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