Die Florstädter CDU war die Inspiration für Christa Degkwitz. Bei jener stellte Jörg Weber das genossenschaftliche Wohnprojekt am Klostergarten in Ilbenstadt vor. Da Degkwitz Jörg Weber kennt, war der Kontakt schnell her- und eine Veranstaltung der Echzeller GRÜNEN unter dem Thema „Alternative Wohnformen“ auf die Beine gestellt.
Der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN in der Echzeller Gemeindevertretung, Lars Friedrich, machte mit Zahlen für Echzell und Gettenau aus 2011 die Wohnsituation deutlich. Das Paradox: 62% der Haushalte umfassen ein oder zwei Personen, aber ein Großteil der Wohnungen hat fünf und mehr Zimmer. Also viele kleine Haushalte, aber wenig kleine Wohnungen. Der Gebäudebestand ist älter, 75% vor 1987 gebaut - es herrscht Sanierungsbedarf. Die Bevölkerung wird älter – und weniger. Friedrichs Fazit: „Es gibt ein Potenzial, einen Bedarf für altersgerechte kleinere Wohnungen und es gibt viele Möglichkeiten für Umnutzung und Nachverdichtung. Zudem ist Echzell auf Zuzug angewiesen, will es als Wohngemeinde attraktiv bleiben.“
Dann kam Jörg Weber mit seinem besonderen Modell aus Ilbenstadt. Er erläuterte seinen Werdegang und wie es zu dem genossenschaftlichen Projekt der Oekogeno kam. Bisher gab es solche Vorhaben nur in großen Städten, Ilbenstadt geriet zum zufälligen Sonderfall, den Weber beim Herumstreifen entdeckte. Das Areal des dem Land Hessen gehörenden ehemaligen Naturlandhofes stand seit den 90er Jahren leer. Und bei Weber formte sich die Idee, ein Wohnprojekt hier zu machen.
Das Modell: Mitmachwillige kaufen Genossenschaftsanteile, tragen damit zur Finanzierung des Gesamtvorhabens bei und wohnen dort anschließend gemeinschaftlich. 35 Wohnungen sind entstanden, 32 im Neubau und drei im Altbau, der zum Gesamtensemble gehört. Als Clou erwies sich der Klostergarten, in dem die Mitmachenden vor ihrem Einzug schon ein Projekt der Solidarischen Landwirtschaft ins Leben riefen. So konnten verwaiste Flächen mitten in Ilbenstadt auf besondere Weise wiederbelebt werden.
Der Weg bis dahin aber war lang. Schwierigkeiten bei der Finanzierung, besondere Herausforderungen des Denkmalschutzes, Verzögerungen und in den letzten Jahren deutlich gestiegene Baukosten. Mit den Außenflächen und Gärten umfasst das Projekt 1,5 ha Fläche. Wohnungen gibt es in verschiedenen Größen von einem bis fünf Zimmer. Wert wird vor allem auf gemeinschaftlich genutzte Räume und Flächen gelegt.
Das barrierefreie und nachhaltig errichtete Wohnprojekt ist aber ausdrücklich keines nur für ältere Menschen. Jörg Weber legte von Anfang an Wert auf eine gute Durchmischung mit Familien. Deshalb sind unter den seit dem 01.02. dieses Jahres eingezogenen Bewohnerinnen und Bewohnern auch 18 Kinder. Einige Wohnungen sind derzeit noch frei.
Taugt dieses in vielem vorbildliche Projekt auch für Echzell? Daran bestanden Zweifel – braucht es doch Orte wie den Klostergarten, Leute wie Jörg Weber, die so etwas unermüdlich vorantreiben und vor allem Bedingungen, die bzgl. Finanzierung und Baupreisen derzeit kaum noch realisierbar scheinen. Insofern drehte sich die anschließende Diskussion um die Frage, wie vorhandene Bausubstanz in den landwirtschaftlich geprägten Ortslagen von Echzell genutzt und wiederbelebt werden kann.
Auch die Frage nach der Schaffung von Treffpunkten für Menschen wurde gestellt. Hier könnte das Ilbenstädter Wohnprojekt tatsächlich Vorbild sein, umfasst es doch auch perspektivisch einen Stadtteiltreff. Einig waren sich die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung darin, dass örtliche Politik die strukturellen Veränderungen – zunehmend ältere Bevölkerung, ungenutzte Flächenpotenziale in den Innerortslagen, die Notwendigkeit von Treffpunkten – zusammenbringen muss, um Echzell auch weiter zu einem attraktiven Ort zu machen.

Jörg Weber mit dem Wohnprojekt am Klostergarten in Ilbenstadt bei den Echzeller GRÜNEN
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