Unter diesem Titel stand die öffentliche Waldführung am Sonntag, den 8. Februar im Vilbeler Stadtwald, die Bündnis 90/ Die Grünen mit Forstwissenschaftler Martin Bertram aus Alsbach und Stadtverordneten und Kreistagskandidatin Sabina Eberlein gemeinsam mit interessierten Bürgern durchführten.
Auf einem Rundweg durch den Wald wurden verschiedene Stationen angesteuert und die dortigen Probleme aufgezeigt und Lösungen besprochen. Martin Bertram, Dipl. Forstwirt und anerkannter Wald-Experte, der bereits mehrere hessische Kommunen wie Darmstadt, Langenselbold, Pfungstadt berät, dazu: “Die wichtigste Stellschraube, die ich derzeit im Vilbeler Wald sehe, um die Waldbewirtschaftung zu optimieren, das heißt den Wald klimaresilienter zu machen und dabei Kosten zu sparen, ist die Jagd auf Rehe im Vilbeler Wald zu deutlich auszuweiten.“
Jagd auf Rehe ist ein entscheidender Faktor
Er erklärt: „Ein Ziel im klimaresilienten Wald ist es, Eichen in verschiedenen Altersgruppen zu ziehen. Um den Bestand an Eichen zu erhöhen, ist deren Naturverjüngung (Selbstaussaat) der beste und kostengünstigste Weg. Hier in Bad Vilbel sieht man an vielen Stellen Wildverbiss und viele Wildwechsel. Kleine junge Eichen haben derzeit keine Chance aufzuwachsen, da sie direkt von den Rehen weggefressen werden. Man muss wissen, dass ein Wald dieser Größe 10 bis maximal 20 Rehe ernähren kann. Sobald es mehr Rehe gibt, wird die Naturverjüngung weggefressen und die Rehe geraten durch die Dichte und die Nahrungskonkurrenz in Stress. Eine regelmäßige Jagd der Rehe ist die kostengünstigste Lösung, die Naturverjüngung zu schützen. Eine viel teurere Maßnahme ist die Einzäunung, die wir derzeit im Vilbeler Wald an wenigen Stellen sehen.“
Alte Eichen müssen flächendeckend erhalten werden
Bertram ergänzt: „Außerdem ist es wichtig, die alten Eichen zu erhalten, da sie durch ihre Eicheln für Nachwuchs sorgen. Alte Eichen sollte man nur in sehr geringen Mengen entnehmen. Hier im Vilbeler Wald wurden in ganzen Bereichen alte Eichen gefällt. Diesen Fehler sollte man nicht mehr wiederholen“.
Auf Kahlschlag in den Waldinnenflächen verzichten
Der Forstwissenschaftler bemängelt: „Es darf grundsätzlich keinen Kahlschlag von größeren Flächen in der Waldinnenfläche mehr geben, so wie wir das heute hier im Wald nahe der Totenwiese und im Taubengrund gesehen haben. Dies ist äußerst unproduktiv und auch nicht erforderlich. Dem Bürger fallen diese Kahlschläge nicht auf, da sie nicht an den Wegen liegen. Aber für die Naturverjüngung ist es auf kahl geschlagener Fläche sehr viel schwieriger, in den heißen und trockenen Sommern zu überleben. Viele der von Hessenforst teuer nachgepflanzten Bäume sind schon wieder abgestorben.“
Gutachten zur Arbeitsweise Hessenforst sinnvoll
Die Stadtverordnete Sabina Eberlein hält es daher für sinnvoll, dass ein unabhängiges Gutachten eingeholt wird, welches die Arbeitsweise von Hessenforst im Vilbeler Wald bewertet, so wie es bereits einige andere Kommunen mit Hessenforst als Bewirtschafter gemacht haben. „Auch könnte sehr leicht per Drohne der Gesundheitszustand des Waldes, aber auch die tatsächliche Anzahl der Rehe und Wildschweine geprüft werden, denn der Wildbestand wird oft unterschätzt“, wünscht sich die Grünen-Politikerin und weist darauf hin “Fehler, die wir jetzt machen, die werden unsere Kinder ausbaden müssen, den Bäume brauchen Jahrzehnte, um nachzuwachsen. Das sollten wir vermeiden. Und wenn damit mittelfristig auch noch städtisches Geld gespart werden kann, ist das doch eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“.

Von links: Fraktionsvorsitzende Bündnis 90/Die Grünen Myriam Gellner, Forstwissenschaftler Martin Bertram, Grüne Stadtverordnete Sabina Eberlein.
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