Grüne lehnen das Integrierte Klimaschutzkonzept Bad Vilbel ab

Entwicklung des Endenergieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen im Szenario Klimaneutral 2045 (Quelle: Integriertes Klimaschutzkonzept Bad Vilbel)

Bad Vilbel
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„Nachdem es fünf Jahre gedauert hat, wurde nun von der Stadt ein Klimaschutzkonzept vorgelegt, dass jeden Mut und Ambition vermissen läßt. Bad Vilbel soll erst 2045 klimaneutral sein. Trotz immer heißerer Sommer und dramatischen Klimaveränderungen wurde am 3. Februar 2026 im Planungs-, Bau und Umweltausschuss ein langes, aber in weiteren Teilen unkonkretes Konzept vorgestellt. Wann man die 38 vorgeschlagenen Maßnahmen umsetzen will und was sie im Einzelnen zur Treibhausgasreduktion beitragen werden, bliebt dabei vollkommen unklar.“ sagt Jens Matthias, Stadtverordneter von den Grünen.

Die Grünen fordern, dass die Treibhausgasneutralität bereits im Jahre 2035 erreicht wird und wollen, dass Bad Vilbel hessische Klimakommune wird, um Zugang zu Netzwerken, Tools und Unterstützung durch die Landesregierung zu erhalten. Des Weiteren plädieren sie für die Einrichtung eines Energieberatungszentrums mit Schwerpunkt Solaranlagen und Wärmepumpen sowie einem konkreten und nachvollziehbaren Maßnahmenplan, dessen Umsetzungsstand den Bürger:innen einmal jährlich in einer Bürgerversammlung erläutert wird.

„Der Verkehr macht ca. 28% der Treibhausgasemissionen in Bad Vilbel aus.“ sagt Matthias. „Die Stadt schlägt einige sinnvolle Maßnahmen vor: Ausbau des Radwegenetzes, Umstellung auf Elektrobusse, Elektrifizierung Vilcar und Ladesäulenausbau. Aber was das Konzept nicht beinhaltet, ist die potenziell am stärksten wirkende Maßnahme: Den Bau einer Straßenbahn nach Frankfurt. „Wahrscheinlich ist dies das einzige Klimaschutzkonzept in ganz Deutschland, welches ignoriert, dass mit einer Straßenbahn der Individualverkehr und damit die Treibhausgasemissionen deutlich reduziert werden könnten“ betont Matthias. „Und das, obwohl wir eine reale Chance hätten, die Straßenbahn aus Frankfurt nach Bad Vilbel zu bekommen“.

Thomas Tilse, ebenfalls Vertreter der Grünen im Stadtparlament, hat sich intensiv mit den Emissionen im Gebäudebereich auseinandergesetzt. 42% aller Emissionen sind den privaten Haushalten zuzuschreiben und es ist nicht einfach für die Stadt Immobilieneigentümer zu bewegen, ihre fossilen Heizungen durch Wärmepumpen zu ersetzen. „Wir brauchen konkrete Beratungsangebote und Modellprojekte, damit Bürger:innen erkennen, dass die Wärmewende im eigenen Haus funktioniert. Zusätzlich müssen die städtischen Gebäude energetisch saniert, vor allem mit Solarpanelen versehen werden. Dazu steht zu wenig im Konzept.“ sagt Tilse. Das ist umso erstaunlicher, da die Stadt ein großer Erzeuger von Ökostrom ist, wie die CDU richtigerweise im Ausschuss dargelegt hat. „Wenn die Stadt mehr Ökostrom produziert, als die Stadt verbraucht, warum tut die Stadt dann nicht alles, um Immobilienbesitzer zu motivieren, ihre Heizungen auf Elektro umzustellen?“ fragt sich Tilse.

Bei aller Kritik haben die Grünen auch positive Aspekte im Klimaschutzkonzept gefunden: Die Kläranlage energetisch zu sanieren, städtische Dächer konsequent für die Stromproduktion zu nutzen, die Elektrifizierung des städtischen Fuhrparks, Verbesserung der Klimaresistenz des Stadtwaldes und die Überarbeitung der Parkgebührenordnung, werden von den Grünen ausdrücklich begrüßt.

Die Bürgerbeteiligung im Rahmen der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes begrüßen die Grünen ausdrücklich, aber „dabei darf es nicht bleiben. Die Bürger:innen müssen bei den Veränderungen mitgenommen werden“ fordert Sabina Eberlein, Abgeordnete der Grünen im Stadtparlament und im Ortsbeirat Kernstadt. „Ein wirkungsvolles und vor allem institutionalisiertes Controlling und ein Nachsteuern, wenn sich Sachverhalte ändern, ist dringend geboten. Wenn die Therme kommt und die Rechenzentren gebaut sind, muss dringend nachgearbeitet werden. Ohne diese großen Emittenten haben wir nicht annähern das ganze Bild über die Treibhausgasemissionen in Bad Vilbel im Jahr 2035 oder 2045.“ „Was uns fehlt ist der Elan und der Wille“ sagt Sabina Eberlein. „Dass es fünf Jahre gedauert hat, bis wir ein Klimaschutzkonzept haben, ist ein trauriges Zeichen dafür, mit welcher Energie die CDU/SPD Regierung das Thema angegangen ist. Und dies, obwohl eine Stabstelle Klima und Umwelt nach der letzten Kommunalwahl extra für die SPD eingerichtet wurde.

 gruenerklimaschutz kg

Entwicklung des Endenergieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen im Szenario Klimaneutral 2045 (Quelle: Integriertes Klimaschutzkonzept Bad Vilbel)



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