Bad Vilbel: Wasserampel muss auf Rot gestellt werden!

Foto: Bündnis 90/ Die Grünen

Bad Vilbel
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Aufgrund des sehr heißen Sommers, Wochen ohne nennenswerte Regenfälle und dramatischer Trockenheit stellen sich viele die Frage nach der zukünftigen Wasserversorgung. Die Grünen in Bad Vilbel haben deshalb zu einer Veranstaltung mit dem Umweltberater Marcus Stadler aus Nidda geladen. In einem sachkundigen Vortrag zeigte er den interessierten Gästen den Zusammenhang zwischen schnellem Klimawandel, steigendem Wasserverbrauch sowie großem Siedlungswachstum auf der einen Seite und der Sicherstellung der Wasserversorgung auf der anderen Seite auf.

Unter Darstellung der beeinflussenden Faktoren kommt er zu dem Schluss: „Zur Vorsorge der Versorgungssicherheit für Mensch und Natur muss die Wasserampel der OVAG präventiv umgehend auf Rot gestellt werden.“

Clemens Breest, Vorsitzender der Grünen in Bad Vilbel, erklärt dazu: „Bad Vilbel ist zwar die Stadt der Quellen, doch bei der Trinkwasserversorgung steuert die Stadt auf eine kritische Situation zu: Einerseits vermindert die Klimakrise drastisch die Grundwasserneubildung, was bereits seit einigen Jahren zur Senkung der Fördermengen durch die OVAG geführt hat. Andererseits wächst durch stetigen Zuzug und Gewerbeansiedlungen der Wasserbedarf der Stadt immer weiter. Wir müssen dringend den Trinkwasserverbrauch reduzieren, um in Zukunft noch ausreichend Wasser in der Stadt der Quellen zu haben!“

Marcus Stadler referierte, dass Bad Vilbel über 90% seines Trinkwassers außerhalb des Stadtgebiets bezieht. Der größte Zulieferer für das städtische Trinkwasser ist die OVAG. Doch die OVAG kann heute bereits nicht mehr den stetig wachsenden Bedarf von Frankfurt und der Wetterauer Kommunen komplett aus eigenen Brunnen bedienen. Schon seit 2019 muss die OVAG deshalb auf Fremdbezug zurückgreifen und kürzt die Liefermengen. Die Brunnen der OVAG zapfen zwar das tiefliegende Grundwasserreservoir im Vogelsberg an, doch gibt es sehr ernst zu nehmende eindeutige Anzeichen für einen starken Schwund in den darüberliegenden schwebenden Grundwasserstockwerken. Stadler erklärt den Effekt anhand einer Gläserpyramide: „Wenn oben nichts mehr nachgeschenkt und dort bereits viel entnommen wird, kommt unten nichts mehr an. Dieser Prozess dauert im Vogelsberg Jahre. Wenn nun dieses tiefliegende Grundwasserreservoir von oben nicht mehr ausreichend gefüllt wird, drohen wir es über die Jahre aufzubrauchen. Das wäre dann eine sehr langfristige Mangelsituation ohne Perspektive des Ausgleichs. Das gilt es zu verhindern!“

Bei den Einsparpotentialen überrascht Marcus Stadler seine Zuhörer:innen mit einem erstaunlichen Umstand: „Die Wassermenge, die die Stadt Bad Vilbel selbst fördert, geht in der Bilanz aufgrund von Wasserverlusten nahezu wieder verloren. Die Bürgerinnen und Bürger zum Wassersparen aufzufordern, macht aber erst dann richtig Sinn, wenn die Stadt gleichzeitig die Wasserleitungen umfassend saniert, um diese enormen Wasserverluste deutlich zu reduzieren.“ Bad Vilbel hat 2020 knapp 190.000m³ Wasser aus eigenen Brunnen gefördert. Gleichzeitig weist die Stadt einen Wasserverlust von über 150.000m³ aus, davon sind 134.000m³ Rohrverluste.

Neben der Begrenzung der Wasserverluste muss vermehrt die Verwertung von Betriebswasser und Niederschlagswasser zur Regel werden. Sabina Eberlein, Stadtverordnete der Grünen fordert: „Bad Vilbel braucht dringend ein Kommunales Wasserkonzept, das die Nutzung von Betriebs- und Niederschlagswasser zur Regel macht. Leider wartet Bad Vilbel noch immer auf eine Förderzusage vom Land Hessen, während andere Wetterauer Kommunen bereits die Förderung in Anspruch nehmen und entsprechende Konzepte aufstellen. Als Grüne werden wir uns dafür stark machen, dass Zisternen und Zweileitungssysteme bei Neubauten verpflichtend werden.“

Außer den baulichen Maßnahmen tragen alle Maßnahmen des Klima- und Naturschutzes zur Minderung der Wasserkrise bei. Der ebenfalls anwesende Gewässerökologe Gottfried Lehr zeigt sich angesichts der schweren Folgen der Klimakrise verärgert über Verzögerungen bei landesweit geplanten Renaturierungsmaßnahmen an Gewässern: „Wir müssen die Fließgewässer dringend weiter renaturieren und Retentionsflächen schaffen. Das Wasser starker Regenfälle wird ohne Renaturierung schnell abgeleitet, ohne dass der Boden durchfeuchtet wird. Retentionsflächen halten das Wasser nicht nur zurück, sondern tragen auch zur Grundwasserneubildung bei.“ Für die Grünen steht deshalb außer Frage, dass es angesichts der gewaltigen Ausmaße der Klimakrise zu keinen weiteren Verzögerungen bei Renaturierungsprojekten kommen darf.

Hintergrund:

Bad Vilbel hat im Jahr im letzten Jahr 2.194.448m³ Trinkwasser verbraucht. Das sind zwar 4% weniger als im Trockenjahr 2020, aber 5% mehr als noch 2019. Nur gut 7% dieses Wassers wurde aus eigenen Brunnen gewonnen.
In 2020 hat nach der Bilanz des RP Darmstadt jede Einwohnerin und jeder Einwohner in Bad Vilbel 141 Liter Trinkwasser pro Tag verbraucht. Allein im Neubaugebiet Quellenpark wird mit einem Zuzug von ca. 1.150 Personen gerechnet. Hinzu kommt der Zuzug durch weitere Neu- und Umbauten. Bei einem zu Grunde gelegten Durchschnittsverbrauch in Hessen von 125l pro Tag und Person ergibt allein der Zuzug im Quellenpark einen Mehrbedarf an Wasser von über 52.000m³ jährlich. Die Frage, wie dieser Mehrbedarf ohne eine Erhöhung der Wasserlieferung durch die OVAG gedeckt werden kann, bleibt aktuell offen.



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