Die angekündigte Vollsperrung der Bundesstraße B 275 (inkl. der Sperrung der beiden Autobahn Auf- und Zufahrten der Anschlussstelle Ober-Mörlen sowie des Anschlusses an die B3) im kommenden Sommer zur Sanierung der Fahrbahndecke sorgt für erhebliche Beunruhigung im Stadtteil Nieder-Mörlen. In einer gemeinsamen Initiative warnen Ortsvorsteher Matthias Lüder-Weckler und der Vorsitzende der BI Weingartenstraße, Dr. Peter Woelfing, vor einer massiven Überlastung des innerörtlichen Straßennetzes. Die beiden Initiatoren haben diesbezüglich bereits einen entsprechenden Fragenkatalog an Hessen Mobil gesendet und warten auf eine Antwort.
Das Ziel: Sanierung ja, Kollaps nein
„Die Sanierung der Fahrbahn ist notwendig und unumstritten“, so Woelfing und Lüder-Weckler unisono. „Doch wir stehen gegenüber den Bürgern in der Verantwortung, die Verkehrsbelastungen der betreffenden Straßenabschnitte so gering wie möglich zu halten.“ Die Befürchtung: Zwar falle der Durchgangsverkehr von der B 275 weg, doch dieser Effekt werde durch den massiv anschwellenden Eigenverkehr der Pendler aus Nieder-Mörlen mehr als zunichtegemacht. Ohne Alternativrouten müssten alle Pendler über die Steinfurther Straße auffahren. „An der Kreuzung bei der ‚neuen Zahnfabrik‘ ist das Chaos zu den Stoßzeiten vorprogrammiert“, ergänzt Matthias Lüder-Weckler.
Sicherstellung der Notfallversorgung und des Nahverkehrs
Ein völlig ungeklärter Punkt ist zudem die Sicherstellung des Versorgungsauftrags der Rettungskräfte, die für den dann gesperrten Autobahnabschnitt Ausfahrt Ober-Mörlen zuständig sind. Wie Feuerwehr und Rettungsfahrzeuge während des Zeitraums der Sperrung es überhaupt gewährleisten können, diesen Einsatzort innerhalb der gesetzlichen Hilfsfristen zu erreichen, ist derzeit offen. Im Notfall zählen Sekunden – ein drohender Verkehrskollaps darf die Sicherheit der Bürger nicht gefährden. Gleiches trifft auf den öffentlichen Nahverkehr und die Schülerbeförderung aus Richtung Ober-Mörlen zu. Hunderte Pendler und Schüler sind auf funktionierende Busverbindungen angewiesen, deren Zuverlässigkeit ohne ein tragfähiges Umleitungskonzept massiv gefährdet ist. Auch betroffen wäre der landwirtschaftliche Verkehr insbesondere mit Blick auf die Erntezeit. Hier fordern die Initiatoren klare Antworten, wie die Mobilität und Versorgung im Stadtteil aufrechterhalten werden soll.
Warum keine halbseitige Sperrung?
Zentrale Forderung der Initiative ist die erneute Prüfung einer abschnittsweisen und halbseitigen, ampelgestützten Sanierung. Angeblich wolle Hessen Mobil zur Vermeidung einer Mittelnaht auf eine Vollsperrung setzen. Dies jedoch lassen beide Initiatoren nicht gelten. „Mit modernen Materialien ist eine frostsichere Verklebung beider Fahrbahnseiten bei fachgerechter Ausführung absolut machbar“, so Woelfing. Da Fahrbahndecken unter heutigen Lasten ohnehin oft nur 10 bis 15 Jahre halten, stehe der geringe planerische Mehraufwand einer Mittelnaht in keinem Verhältnis zu den enormen wirtschaftlichen Gesamtkosten, die durch Staus und Umwege für die Pendler und Schüler entstehen.
Sollte Hessen Mobil dennoch an der Vollsperrung festhalten, fordern Lüder-Weckler und Woelfing die temporäre Öffnung mehrerer alternativer Wege, um den innerörtlichen Druck zu mindern, z.B. durch die Nutzung von Wirtschaftswegen.
Sorge vor Bauzeitüberschreitung
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Verlässlichkeit des Zeitplans. Die jüngsten Erfahrungen aus den umliegenden Gemeinden zeigen, dass Bauprojekte dieser Größenordnung oft wesentlich länger dauern als geplant. Eine Vollsperrung, die sich über den Sommer hinaus in den Herbst zieht, wäre für Nieder-Mörlen nicht tragbar.
„Wir verstehen unseren Vorstoß als proaktiven Beitrag, um auf die immensen Verkehrsbelastungen unseres Stadtteils im Sinne der Bürger hinzuweisen", resümieren Lüder-Weckler und Woelfing. Man erwarte nun von den zuständigen Behörden und dem Magistrat, dass diese tragbare Vorschläge zeitnah vorlegen, um den Bürgern ein drohendes Verkehrschaos zu ersparen und diese vorab in einer Informationsveranstaltung im Stadtteil über die geplanten Maßnahmen informieren.


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