Hessens Bildungsminister Armin Schwarz hat den Fachbereich Gesundheit der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Gießen besucht, um sich über dessen Zusammenarbeit mit Schulen und über MINT-Angebote für Schülerinnen und Schüler zu informieren. Neben einem fachlichen Austausch erwarteten den Minister auch ein Balanceakt zwischen Hochhäusern und eine atmende Lunge.
THM-Präsident Prof. Dr. Matthias Willems und Prof. Dr. Keywan Sohrabi, Dekan des Fachbereichs Gesundheit, führten den Minister durch Labore und Lehrräume und erläuterten die Schwerpunkte ihrer Arbeit. Der Fachbereich gilt als hessenweit führend in den Bereichen Digitale Medizin, eHealth und Public Health. „In Mittelhessen konzentrieren sich Kompetenzen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik auf einmalige Weise. Es ist von elementarer Bedeutung, dass Begeisterung für diese Fächer geweckt wird", sagte Armin Schwarz. Das gelte für die THM im Speziellen wie für den Wirtschaftsstandort Hessen. „Überlebenswichtig für die Volkswirtschaft ist die Begeisterung für MINT", unterstrich Schwarz.
Die THM weckt diese Begeisterung durch regelmäßige Kontaktformate mit Schulen: Schülerinnen und Schüler besuchen die Fachbereiche, nehmen an Praktikumswochen teil und erhalten Einblicke in MINT-Berufe und Studienmöglichkeiten. Schulsozialpädagogin Lena Franke von der Gesamtschule Mücke war als Gast aus der schulischen Praxis eingeladen: Sie hatte im Sommer eine Projektwoche am Fachbereich Gesundheit mitorganisiert, bei der die Schülerinnen und Schüler kleine Aufgaben erledigten, die direkten Bezug zu aktuellen Forschungsfragen haben. „Praxis ermittelt nachhaltig Erfolge, auch wenn die Noten in anderen Fächern vielleicht nicht die hoffnungsvollsten sind", berichtete Franke. Die 13- bis 16-Jährigen hatten in kleinen Projektgruppen programmiert, den 3D-Druck kennengelernt und Einblicke in die Digitale Medizin und eHealth-Technologien erhalten. Diese Form der frühen Orientierung ist Teil der regionalen Nachwuchsförderung und Studierendengewinnung der THM.
Während des Rundgangs demonstrierten Mitarbeitende des Fachbereichs zahlreiche praxisnahe Anwendungen: Unter Anleitung der Doktorandin Jasmin Spaar untersuchte Schwarz eine hochfrequenzbeatmete Schweinelunge bronchoskopisch – eine Lehrübung zur endoskopischen Diagnostik in den unteren Atemwegen, die realistische Einblicke in klinische Verfahren ermöglicht. Der Minister informierte sich außerdem über die Möglichkeiten des 3D-Drucks, auch im Hinblick auf biokompatible und somit direkt implantierbare Werkstoffe, erlebte in einem Virtual- Reality-Szenario zur Stressreduktion einen Balanceakt zwischen Hochhäusern und lernte Funktionskleidung mit eingenähter Sensorik kennen. „Projekte wie diese sind greifbar und vermitteln ein ganz grundsätzliches Verständnis für die Bedeutung von Mathematik und Naturwissenschaften", erklärte Dekan Prof. Sohrabi. Naturwissenschaftliches Interesse sei jedem Kind gegeben – ausgedrückt etwa in der Frage: „Warum ist der Himmel blau?". Sohrabi plädierte dafür, MINT-Projekte nicht erst in den Sekundarstufen, sondern bereits an Grundschulen zu etablieren.
Der Fachbereich Gesundheit sieht, wie die gesamte THM, in der verstärkten Zusammenarbeit mit Schulen eine Chance, junge Menschen für naturwissenschaftlich-technische und medizinische Berufe zu begeistern und gleichzeitig die praktische Reichweite der Lehre zu erhöhen. Als MINT-Botschafterin begleitete Prof. Dr. Franziska Thieken den Austausch und hob die Bedeutung von praxisnaher Vermittlung und frühzeitiger Berufsorientierung hervor. Die promovierte Medizinerin engagiert sich an der THM für die Verbindung von Medizin, digitaler Technik und Nachwuchsförderung. „Es ist beeindruckend, wie begeistert und begeisternd Sie Wissenschaft anschaulich vermitteln", sagte Bildungsminister Armin Schwarz nach seinem Rundgang. Die THM, so Schwarz, gebe Schülerinnen und Schüler vielfältige Einblicke in unterschiedliche Berufsbilder, die gerade in der Medizin in Verbindung mit Informatik neue Türen öffnen und Staunen hervorrufen würden.
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Unter Anweisung von Doktorandin Jasmin Spaar und Dekan Prof. Dr. Keywan Sohrabi (r.) bronchoskopiert Bildungsministerien Armin Schwarz eine Schweinelunge
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