Elf Kommunen für interkommunale Landesgartenschau 2027

Politik
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Der Verein Oberhessen will eine einzigartige Chance nutzen: Elf Kommunen in der Region haben am Dienstagabend, 17. November, parlamentarisch beschlossen, sich gemeinsam für die erste interkommunale Landesgartenschau in Hessen 2027 zu bewerben. Um eine Entscheidungsgrundlage zu bieten, hatte das Büro Planstatt Senner aus Überlingen am Bodensee eine Machbarkeitsstudie erarbeitet und allen Parlamenten vorgestellt.

Ortenberg mit Blick ins Niddertal.jpg

Die Studie analysiert Potenziale und beschreibt Entwicklungsansätze sowie Vorhaben, die dem strategischen Ansatz einer innovativen und nachhaltigen Gartenschau in Oberhessen ein Gesicht geben.
„Wir möchten die Bürger dazu einladen, die Region Oberhessen weiterzudenken und dabei ganz neue Perspektiven für ländliches Leben zu entdecken", sagt Henrike Strauch, Erste Stadträtin in Büdingen und Vorsitzende des Vereins Oberhessen. "Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sind nicht in Stein gemeißelt, sie dienen als Leitfaden. Und, das ist besonders wichtig: Jede Kommune behält die Planungshoheit bei der Durchführung von Projekten in ihrem Verantwortungsbereich."

Hohe Zuschüsse aus Förderprogrammen
Bei der Überlegung, ob eine Landesgartenschau in der Region durchführbar ist, spielt Geld eine große Rolle. Deshalb hat der Verein Oberhessen in Abstimmung mit dem Planungsbüro einen Investitions- und Durchführungshaushalt erstellt. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Finanzierung ist im Verbund machbar, insbesondere wenn die zu erwartenden hohen Zuschüsse aus Förderprogrammen noch berücksichtigt werden. Denn: Gartenschaukommunen werden bei Förderanträgen vom Land Hessen prioritär behandelt.

Auch an anderer Stelle kann Geld gespart werden: Erhebliche Synergien bieten Projekte, die sich bereits in der Planung oder Umsetzung befinden. Dies sind beispielsweise die Städtebauförderprogramme „Lebendige Zentren“ in Nidda, Ortenberg, Hirzenhain und Gedern, die sich inhaltlich mit den Leitprojekten der Gartenschau 2027 stark überschneiden. "Deshalb müssen diese beiden Entwicklungsstränge frühzeitig zusammengedacht werden. Genau damit beschäftigt sich die Wirtschaftsförderung Wetterau GmbH (wfg) aktuell schon“, sagt wfg-Geschäftsführer Klaus Karger.

Gemeinsam in die Zukunft gehen
"Entscheidend wird sein: gemeinsam in diese Zukunft zu gehen, mit einem dezentralen Konzept, potenzialgerecht, innovativ und umweltfreundlich, an dem unsere Städte und Dörfer teilhaben, auf Basis finanzieller Vernunft“, sagt wfg-Geschäftsführer Bernd-Uwe Domes. Für eine Gesamtbewertung sei es wichtig, die vielfältigen mittel- und unmittelbaren Folgen einer Landesgartenschau transparent zu machen und zu berücksichtigen. So seien die kommunalen Investitionen nicht nur ökonomisch, sondern auch sozial und ökologisch zu bewerten. Eine Landesgartenschau könne schubartig die Perspektiven einer Region voranbringen, wie es in Forschungsergebnissen der Justus-Liebig-Universität Gießen heißt. "Wir müssen uns fragen: Was bringt die Gartenschau 2027 unserer Region, den Städten und Dörfern, den Bürgern und Vereinen und den hiesigen Betrieben?", fasst Domes zusammen. Ein ausschließlich auf die kommunalen Investitionen gerichteter Blick wäre zu kurz gegriffen und würde dem nachhaltigen Konzept einer regionalen Gartenschau nicht gerecht.

Mit wie vielen Besuchern und welchen Einnahmen zu rechnen ist
Um die Effekte einer interkommunalen Landesgartenschau in der Region Oberhessen zu verdeutlichen, hat die Wirtschaftsförderung mögliche Besucherzahlen, daraus resultierende regionalwirtschaftliche Effekte sowie langfristige Rückwirkungen dargelegt. Die Einzugsgebietsanalyse basiert auf Erfahrungen verschiedener Landesgartenschauen in Deutschland. Die Besucherzahlen generieren sich demnach aus vier konzentrisch angelegten Fahrzeitzonen, die eine Anreise von 30, 60, 90 bis 120 Fahrzeitminuten berücksichtigen, wobei in der am weitesten entfernten Zone nur von schwachen Besuchereffekten ausgegangen wird.

Im Worst-Case-Szenario wird eine Besucherzahl von rund 500.000 prognostiziert, im wahrscheinlichsten Verlauf sind es 600.000, und bei sehr hoher Akzeptanz der Landesgartenschau und starkem überregionalen Interesse könnte von bis zu 715.000 Besuchern ausgegangen werden. Starken Einfluss auf die Besucherzahlen von Gartenschauen hat das Wetter. Wichtig sind auch ein attraktives Kulturprogramm in den Innenstädten und Dörfern sowie Marketingmaßnahmen. "Der Quellmarkt Frankfurt und das Umland dürften hier eine Schlüsselrolle für den Erfolg der LGS einnehmen", sagt Karger.

Auch die regionalwirtschaftlichen Effekte hat die wfg untersucht. Die LGS Oberhessen 2027 kann zunächst als Investitionsprojekt betrachtet werden, das rund 20 Millionen Euro an öffentlichen Investitionen in den elf Kommunen erfordern wird. Diese Summe müssen die Kommunen nicht alleine aufbringen, denn erfahrungsgemäß werden mindestens 40 bis 60 Prozent durch Fördermittel ersetzt. Die Investitionen ermöglichen, ausgewählte Flächen, Räume und Landschaften aufzuwerten und damit dem bisherigen Format der Gartenschau eine ganz neue und natürliche Prägung zu gegeben. "Das wäre bisher einzigartig in Hessen", sagt Domes. Die Investitionsphase im Vorfeld der Gartenschau wird laut wfg in relevanten Wirtschaftsbereichen wie Landschafts- und Gartenbau, Bauwesen und Handwerk, aber auch in vor- und nachgelagerten Branchen spürbare regionale Nachfrageimpulse schaffen. Diese werden einkommens- und beschäftigungswirksam und führen so auch zu erhöhten Steuereinnahmen.

Nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch nachhaltig
Der Investitionsphase schließt sich die Durchführungsphase an: der offizielle Zeitraum, in dem die Gartenschau stattfindet. Hier ergeben sich insbesondere über die Ausgaben der Besucher signifikante Umsätze, vor allem in den Bereichen Handel, Gastronomie, regionale Produktion, Veranstaltungen und Mobilität. Wissenschaftliche Begleitstudien zu verschiedenen bisherigen Gartenausstellungen geben Ausgaben von Tages- und Übernachtungsgästen im Schnitt mit 40 Euro pro Person und Tag an. "Wenn man das mittlere Besucherszenario und die mittleren Konsumausgaben dieser Besucher zugrunde legt, ist eine Umsatzsteigerung in der Zeit der Gartenschau von über 24 Millionen Euro Bruttoumsatz durchaus realistisch", sagt Domes. Hinzu kommen weitere Einkommenseffekten durch die Verflechtung mit Zulieferern und Dienstleistern.

Im Jahr der Gartenschau kommt es dadurch zu einem erheblichen regionalwirtschaftlichen Wachstumsimpuls mit spürbaren Auswirkungen auch auf die öffentlichen Haushalte (Steuereinahmen) und mit substanziellen Rückwirkungen auf die Wohn- und Lebenswelt. Der regionalwirtschaftliche Produktionswert einer Gartenschau in Oberhessen dürfte laut wfg mindestens in einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag liegen (Anhaltspunkt). "Davon wird die Region Oberhessen über Jahrzehnte profitieren", ist Domes überzeugt.

„Eine Leitidee für die Gartenschau in Oberhessen, die auf langfristige Entwicklungen, nachhaltige Strategien und gestalterische Qualitäten setzt, ist also nicht nur ökologisch wertvoll, sondern auch ökonomisch äußerst sinnvoll“, betonen die Wirtschaftsförderer Domes und Karger. Strauch als Vorsitzende des Vereins Oberhessen ergänzt: „Eine Gartenschau ist eine große Chance, Vorhaben in unseren Städten und Dörfern, unter Einbindung der Bürgerinnen und Bürger zu realisieren."

Foto: Ortenberg mit Blick ins Niddertal



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