Seit Mittwoch meldete das Stadtgesundheitsamt insgesamt 22 Neuinfektionen – die größte Zahl an einem Tag seit Beginn der Pandemie. Mit einer 7-Tage-Inzidenz von jetzt 44,3 Fällen auf 100.000 Einwohner hat Offenbach nun wieder die zweite Warnstufe des hessischen Eskalationskonzeptes (ab 35 Fällen) deutlich überschritten und steht kurz vor der vierten Stufe, die ab 50 Neuinfektionen innerhalb der zurückliegenden sieben Tage erreicht ist.

Die allermeisten Fälle der letzten sieben Tage gehen auf Infektionen bei eher jüngeren Reiserückkehrern und deren Kontakte zurück. Zu den neuen Fällen zählen jeweils ein Schüler der August-Bebel-Schule, der Geschwister-Scholl-Schule und eine Schülerin der Leibnizschule. Sie hatten sich in den Ferien in Kroatien und in Portugal aufgehalten – beides Länder, die nicht als Risikogebiet eingestuft ist. Da sie sich aber freiwillig testen ließen, konnte ihre Ansteckung frühzeitig entdeckt werden. Sie und alle weiteren Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte, die sich mit den Infizierten zeitgleich im selben Unterricht befanden, wurden umgehend unter Quarantäne gestellt.

Als Reaktion auf die vielen positiv getesteten Reiserückkehrer hat der Verwaltungsstab noch am Mittwochabend (19. August) eine erweitere Maskenpflicht im Stadtgebiet sowie eine Quarantänepflicht bei der Einreise aus bestimmten Staaten beschlossen, die bislang noch nicht als Risikogebiet gelten. Alle Regelungen gelten vorerst bis einschließlich 30. August. Auch die bereits bestehenden Sonderregelungen für Offenbach werden bis 30. August verlängert.

Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke betonte am Donnerstag: „Vom ersten Tag der Corona-Pandemie an haben wir eine Linie verfolgt, der wir treu bleiben: Wir sehen uns das Problem an jedem Tag sehr genau an und ergreifen möglichst exakt zum Problem passende Maßnahmen. Der Gesundheitsschutz geht immer vor – trotzdem machen wir uns aber die Mühe, die Maßnahmen so festzulegen, dass die Schäden für Wirtschaft, Gastronomie, Kultur und Sport so gering wie möglich sind.“ Offenbach hat jetzt erstmals ohne ein konkretes Einzelereignis wie zuletzt die Busreise oder in anderen Städten in Schlachthöfen erhöhte Zahlen. Aktuell sind die Hauptursache die Reise-Infektionen bei jüngeren Menschen, die oft nicht schwer erkranken und deshalb nichts von ihrer Ansteckung wissen. Schwenke dazu: „Weil wir das vorhergesehen hatten, hatten wir frühzeitig so intensiv wie keine andere Stadt mehrsprachige Aufklärungskampagnen gefahren in der Hoffnung, damit die Dunkelziffer in unserer Stadt gering zu halten. 51 der 57 Fälle in den letzten sieben Tage gehen auf Urlauber zurück, die nach ihrer Rückkehr positiv getestet wurden. Wir kennen also die Ursache für die gestiegenen Zahlen in Offenbach relativ gut. Aktuell müssen wir vorerst nichts verbieten und nichts schließen. Wir treffen dort Schutzmaßnahmen, wo die Wahrscheinlichkeit auf Reiserückkehrer zu treffen, besonders hoch ist und wir konzentrieren weitere Schutzmaßnahmen auf geschlossene Räume. Die Schutzmaßnahmen sind zwar lästig, aber sie können zielgerichtet helfen, die Ausbreitung in die ganze Stadt zu verhindern. Das ist auch nötig, damit unser Gesundheitsamt dauerhaft zum Schutz aller funktionsfähig ist.“

Auch Bürgermeister und Ordnungsdezernent Peter Freier bereiten die oft unbemerkten Infektionen bei Jüngeren Sorge: „Wir stehen vor dem Problem, dass Menschen sich im Urlaub oder bei Partys infizieren, weil sie wichtige Regeln wie Abstandhalten und Maske tragen nicht einhalten. Diese Menschen können wiederum unbemerkt Angehörige, Freunde oder Kollegen auf der Arbeit anstecken. Und damit auch Menschen, für die der Virus gefährlich sein kann. Auch hier gilt, was wir wiederholt schon gesagt haben: Leichtsinn und Gedankenlosigkeit bestraft das Virus. Jeder kann seinen ganz persönlichen Beitrag zum Schutz und zur Eindämmung leisten, indem die geltenden Regeln beachtet und gelebt werden.“

Gesundheitsdezernentin Sabine Groß machte deutlich, dass das jetzige Infektionsgeschehen nicht durch das Reisen an sich entsteht: „Rückkehrer werden jetzt anders als noch vor den Ferien und anders als der Rest der Bevölkerung auch ohne Symptome systematisch getestet. Durch die vielen Tests steigen die Fallzahlen. Das ist und bleibt weiter richtig und wichtig, weil das Gesundheitsamt dadurch schnell reagieren und die Infektionsketten durch konsequente Quarantäne durchbrechen kann. Jetzt muss es uns gelingen, das Risiko durch unbemerkte Infektionen zu verringern.“

Neue Maßnahmen in Offenbach

Da es Urlaubsländer gibt, die bislang zu vielen Infektionsfällen bei Offenbachern geführt haben, aber nicht als Risikogebiet gelten, gilt für einige dieser Länder ab sofort eine erweiterte Melde- und Quarantänepflicht in Offenbach. Zusätzlich zur Einreise aus Risikogebieten müssen jetzt auch Menschen in eine 14-tägige Quarantäne, wenn sie aus denjenigen zehn Ländern einreisen, aus denen laut Robert-Koch-Institut (RKI) zuletzt die meisten positiv getesteten Reisenden gekommen sind. Dies gilt unabhängig davon, ob diese Länder vom RKI als Risikogebiet ausgewiesen sind. Die Liste dieser sogenannten Expositionsländer, aus denen die meisten Infizierten nach Deutschland kommen, wird jeden Dienstag im täglichen Lagebericht des RKI veröffentlicht. Aktuell befinden sich unter den Top 10-Staaten Kroatien, Rumänien und Bulgarien, die nur teilweise als Risikogebiete ausgewiesen sind. Wer von dort – aus egal welcher Region – zurückkehrt, muss sich jetzt in Offenbach umgehend beim Stadtgesundheitsamt melden und in Quarantäne begeben. In den ersten 72 Stunden nach Rückkehr kann ein kostenloser Test durchgeführt werden. Fällt dieser Test negativ aus kann das Stadtgesundheitsamt die Quarantäne vorzeitig aufheben.

Um das Ansteckungsrisiko durch unbemerkte Infektionen, unter anderem durch Urlauber, zu senken, gilt außerdem ab sofort eine Maskenpflicht in vielen geschlossenen Räumen. Dies gilt ohnehin schon z. B. für die Gastronomie und den Einzelhandel. Ab sofort gilt dies auch für Vereinsräume, Umkleide- und Sanitärräume, Bildungsstätten sowie Sport- und Kultureinrichtungen. Auch bei der Religionsausübung gilt jetzt wieder die Maskenpflicht, das heißt bei Veranstaltungen, Gottesdiensten, Konfirmandenunterricht, Koranunterricht und beim Aufenthalt in Kirchen, Moscheen und Synagogen.

In Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt muss außerdem ab sofort in allen Schulen auch in den Unterrichtsräumen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Die Lehrerinnen und Lehrer sind gehalten, keine Schülerin und keinen Schüler ohne Alltagsmaske in den Unterrichtsraum zu lassen. Wer sich weigert, eine Maske zu tragen, wird nach Hause geschickt. Außerdem wird der Sportunterricht vorläufig ausgesetzt. „Durch die Wiederaufnahme des Unterrichts im Vollbetrieb können in den Schulen die sonst geltenden Mindestabstände nicht eingehalten werden“, erläuterte Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß. „Mit der Maskenpflicht wollen wir bis Ende kommender Woche die noch laufende Inkubationszeit der letzten Reiserückkehrer aus den Ferien abwarten und das erhöhte Risiko in den Schulen solange verringern“, so Weiß weiter.

Die Liste der Expositionsländer wird jeden Dienstag im täglichen Lagebericht des RKI veröffentlicht. Die aktuelle Liste findet sich im Bericht vom 18. August auf Seite 13: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/2020-08-18-de.pdf?__blob=publicationFile

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