Heute ist nicht mein Tag

Ei Gude wie
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Es gibt Tage, da sollte man lieber im Bett bleiben. Dass das für die; die raus müssen, blöd ist, ist klar. Zum Glück trifft das auf mich nicht mehr zu. Du spürst und fühlst das. Wenn du dann trotzdem aufsteigst, ich sage es nur einmal, bist du selbst dran schuld.

Ich bin aufgestanden. Glück war nur, dass es schon nach halb neun war. Die Zeit vorher im Bett stiehlt dir niemand mehr. Als es mir nach 10 Minuten nicht gelang, das Wasser für meinen Tee zu erhitzen, hatte ich die Chance gehabt, mich wieder hinzulegen. Chance nicht genutzt, leider. Nach intensiver Recherche war das Problem aber gelöst. Der Stecker des Wasserkochers steckte nicht in der Steckdose. So was aber auch.

Also, Teewasser erhitzt und ab in die ein halb Liter Teetasse und Teebeutel rein. Aber halt, wo sind die Teebeutel? Gestern war noch einer da, das ist die Lösung: Tee ist aus. Vergessen einzuholen! Blankozettel und Stift geholt und Tee aufgeschrieben. Heute muss ich noch aus dem Haus und Tee einkaufen. Ein Blick aus dem Fenster bestätigt die Stimmung. Es ist düster, es regnet, es ist windig, nein, es ist stürmisch, einfach ungemütlich. Wer unter solchen Umständen das Haus verlässt, ist selber schuld. Da fällt mir unser Kater ein. Wo steckt der eigentlich? Nach kurzer Suche finde ich ihn. Er liegt an seinem Lieblingsplatz eingerollt und pennt. Recht hat er.

Leider habe ich auch dieses Signal nicht verstanden. Das nächste Malheur ließ im Bad nicht lange auf sich warten. Die Form der Zahncremetube zeigte schon, wo es hingeht. Trotz mehrfachem Pressen konnte ich ihr keinen Streifen mehr entlocken, sie war leer. Ich entsinne mich an den letzten Abend, als ich mir die Zähne putzte, Zahncreme besorgen. Jetzt war es so weit, heute muss ich noch raus. Natürlich war der Brotkasten auch leer. Brot auftauen vergessen. Solche Tage haben eine Vorgeschichte. Ich habe gestern vergessen und muss heute nachholen und dann so ein Wetter. Auf meinem Einholzettel stehen nun, Tee, Zahncreme und Brot. Ab auf die Piste.

Beim Bäcker unterhielten sich zwei Frauen. Nach meinem Eintreten wurde sofort geflüstert. Die Verkäuferin hatte sich bereits verzogen. Schade, dass ich meine Hörgeräte nicht dabeihatte. So könnte ich bereits so manches Geflüsterte mithören. Endlich hatte das Flüstern ein Ende, die Frauen verließen den Laden und die Verkäuferin erschien. Das ersehnte Brot war bereits ausverkauft. Beim Metzger gibt es die verlangte Wurst erst wieder am Donnerstag. Jetzt fahr' ich nicht zum Tanken. Dort hör ich dann, der Sprit ist heute all. Im Supermarkt war zum Glück alles vorrätig. Nur an der Kasse quietschte es. Mehr aus Versehen grüßte ich die Dame vor mir freundlich. Der Gruß wurde nicht erwidert. Ich wurde von oben nach unten gescannt. Mit einem vernichtenden Blick wandte sich die Gute von mir. Ich hatte wohl ihre Kreise gestört. Wenn Blicke töten könnten, wäre ich jetzt Tod, dachte ich. Ich habe vorsichtshalber einen Meter Platz zwischen uns gelassen.

Heute ist nicht mein Tag. Glücklicherweise war der Verkäufer gut drauf. Auch die Tatsache, dass die Frau vor mir ihre Zeitung an der Kasse vergaß, konnte mich nicht erfreuen. Zuhause begab ich mich sofort auf mein Sofa. Schon bald erschien mein Kater und legte sich zu mir. So wurde der Tag noch gut. Ei Gude, wie!

Zum Autor

Er sei ein waschechter Neuenhaßlauer, sagt er von sich selbst. Helmut Müller (73) ist in Neuenhaßlau als 4. von 7 Kindern geboren und ein typisches Nachkriegskind dazu. Seine Mutter Hessin und evangelisch, sein Vater Sudetendeutscher und katholisch, aber kein Flüchtling, sondern Kriegsgefangener, der nicht in seine angestammte Heimat zurückkonnte. Er wächst in einem 4 Generationen Haus mit den Eltern, sechs Geschwistern, Oma und Opa sowie Onkel und der Ur-Großmutter auf. Der Spielplatz war die Straße. In der Volksschule, die er mit dem Hauptschulabschluss beendete, war deutsch seine erste Fremdsprache, die er lernen musste. In späteren Jahren hat er seine mittlere Reife und das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt und das Ganze als Diplom Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen. Er war in etlichen Vereinen aktiv. Man könnte ihn getrost als „Vereinsmeier“ bezeichnen. Er hat dabei fast alle Positionen, die ein Vorstand hat, begleitet. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!



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