Die Feigheit zur eigenen Meinung zu stehen

Ei Gude wie
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Wir alle kennen Sie, die Worte, die uns fremd sind. Ich meine die sogenannten Fremdworte. Ein aus einer fremden Sprache übernommenes oder mit Wörtern oder Wortteilen aus einer fremden Sprache gebildetes Wort. Mobbing ist so eines. Heute in aller Munde. Früher sagten wir dazu Hänseln.

Mobbing oder Mobben als soziologischer Begriff beschreibt das wiederholte und regelmäßige, vorwiegend seelische Schikanieren, Quälen und Verletzen eines einzelnen Menschen durch eine oder mehrere Personen. Das gab es schon zu meiner Schulzeit. Und ich bin davon überzeugt, hätten wir damals auch die technischen Möglichkeiten gehabt wie heute, ich mein Mobiltelefon mit all seinen Möglichkeiten, wir hätten sie auch genutzt.

Sich auf Kosten anderer lustig machen, das hat einigen schon immer Spaß gemacht. Dabei war das Leid der Betroffenen egal, ja, manchem gab es noch einen besonderen Kick. Körperlich- und/oder geistig Behinderte eigneten sich besonders gut als Opfer, sind sie doch durch ihre Handicaps schwächer und dadurch oft unterlegen. Ein leichtes Opfer also. Auch dicke Menschen eignen sich gut als Angriffsfläche. Dick ist gleich dumm wird gerne unterstellt und meint, dass Dicke ihr Leben nicht im Griff haben und auch nichts auf die Beine bringen.

Ich habe mich zeitlebens nicht an solchen Übergriffen beteiligt. Mir ist und war das einfach zu blöd. Ich finde keinen Spaß daran, mich am anders seines anderen Menschen aufzugeilen. Jeden so zu nehmen, wie er ist, ist meine Devise. Den anders Aussehenden und Denkenden so zu akzeptieren, wie er ist, ist für mich eine Selbstverständlichkeit, will ich doch auch umgekehrt so angenommen werden. Wir haben alle unsere Talente und sind zu etwas nütze. Das ist es doch, was wir alle eigentlich wollen. Man muss uns nur lassen.

Ich glaube, dass die Täter selbst das Opfer sind. Voll gestopft mit Minderwertigkeitskomplexen und Selbstzweifeln lenken sie gerne von sich weg und arbeiten sich am vermeintlichen Leid anderer ab. Klar, das Mobbing Opfer gehört geschützt und der Täter gehört bestraft und muss für den Schaden, den er angerichtet hat, geradestehen. Leichter gesagt als getan. Die Beweisführung ist oft sehr schwierig und einen Täter in flagranti, also auf frischer Tat, zu erwischen ist leider nicht immer gegeben. Mobber arbeiten gerne anonym.

Das ist auch so ein Ding. Der anonyme Brief. Dahinter stecken die Feigheit, zur eigenen Meinung zu stehen und die Unfähigkeit, sich für sie zu streiten. Das Ziel ist, den Empfänger zu verletzen. Eine ganz widerwärtige Sache. Solche Menschen sind eigentlich die ärmsten Schweine in unserer Gesellschaft. Gerade deshalb will ich sie nicht verteufeln. Ich wünsche ihnen viel Kraft bei der Bewältigung ihrer Probleme. Mögen auch sie Freude am eigenen Leben finden und ihre Hände aus den Schicksalen anderer Menschen lassen. Ein Ausweg aus dieser misslichen Lebenslage könnte Resilienz sein. Das ist die Widerstandsfähigkeit der Psyche. Damit ist die Fähigkeit gemeint, äußere Lebenseinflüsse wie etwa Unsicherheiten zu bewältigen und diese als Teil der eigenen menschlichen Weiterentwicklung und Reifung zu betrachten. Last uns dran arbeiten. Ei Gude, wie!

Zum Autor

Er sei ein waschechter Neuenhaßlauer, sagt er von sich selbst. Helmut Müller (73) ist in Neuenhaßlau als 4. von 7 Kindern geboren und ein typisches Nachkriegskind dazu. Seine Mutter Hessin und evangelisch, sein Vater Sudetendeutscher und katholisch, aber kein Flüchtling, sondern Kriegsgefangener, der nicht in seine angestammte Heimat zurückkonnte. Er wächst in einem 4 Generationen Haus mit den Eltern, sechs Geschwistern, Oma und Opa sowie Onkel und der Ur-Großmutter auf. Der Spielplatz war die Straße. In der Volksschule, die er mit dem Hauptschulabschluss beendete, war deutsch seine erste Fremdsprache, die er lernen musste. In späteren Jahren hat er seine mittlere Reife und das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt und das Ganze als Diplom Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen. Er war in etlichen Vereinen aktiv. Man könnte ihn getrost als „Vereinsmeier“ bezeichnen. Er hat dabei fast alle Positionen, die ein Vorstand hat, begleitet. Kontakt:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!



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