Straße kehren hat noch niemandem geschadet

Ei Gude wie
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Hand aufs Herz, Hausbesitzer und Mieter: Reinigen sie wöchentlich den Gehweg vor ihrem Haus? Ich glaube, dass macht heute keiner mehr. So einmal im Monat oder nach Bedarf machen das schon Etliche. Wenige machen gar nichts, dementsprechend sieht es auch aus. Dabei haben alle Kommunen Straßenreinigungssatzungen, in denen das geregelt ist.

So heißt es unisono: „Die Reinigungspflicht der Straßenreinigungssatzung der Gemeinde „XYZ“ umfasst auch die allgemeine Straßenreinigung, das heißt Gehwege, Straßenrinnen und Einflussöffnungen der Straßenkanäle. Die Eigentümer von Grundstücken an Straßen sind für die Verkehrssicherheit mitverantwortlich.“ Ja, so werden sie in die Mitverantwortung einbezogen, falls mal was passiert. Klar wird das jedem im Winter, wenn Schnee und Eis den Gehweg unsicher machen. Dazu schreiben Kommunen: „Unter Winterdienst versteht man die Erhaltung der Verkehrssicherheit auf Straßen, Plätzen und Wegen bei Behinderungen durch Schnee oder Eis. Der Winterdienst hat sicherzustellen, dass bei Glätte und Schnee durch Streuen und Räumen die Straßen und Gehwege auch weiterhin sicher befahrbar bzw. begehbar sind. Die Räum- und Streupflicht obliegt dem Grundstückseigentümer, bei öffentlichen Straßen dem Träger der Straßenbaulast. Der Straßenbaulastträger hat im Rahmen seiner Leistungsfähigkeit nach besten Kräften die Begeh-/Befahrbarkeit sicherzustellen.“

So weit, so gut. Warum komme ich heute auf dieses Thema? Vor ein paar Tagen hatte ich wieder einmal Geburtstag. Einer der Gratulanten brachte es auf den Punkt. „Weißt du noch früher…“. Ja, als Kinder mussten wir im Haus und Garten helfen. Dazu gehörte auch das wöchentliche Straßenkehren. Dabei galt der Dreisatz: Je mehr Geschwister, desto seltener warst du dran. Ja, das war schon eine Zeremonie. Meist Samstagsnachmittags traf man sich auf der Straße beim Fegen derselben. Dabei wurde ab der Mitte der Straße zum eigenen Grundstück und auch nur die Länge des Grundstückes gefegt. Natürlich mit Gehweg. In der Rinne wurde der Kehricht gesammelt und kam in die Mülltonne. Damals gab es nur eine.

Es waren meist Kinder oder Männer, die diese Arbeit verrichteten. Dabei wurde auch die Nachbarschaft gepflegt. So wurde ein Schwätzchen gehalten und ein Bierchen getrunken. Sag einer, Männer könnten nicht tratschen. Die Themen sind fast die gleichen wie heute, nur eben von Angesicht zu Angesicht. Fußball, Politik, Wetter, die Nachbarn und ach ja, manchmal auch die Ehefrauen. Beim Bier gab es einen Trick. Im wöchentlichen Wechsel wurde ein oder auch mal zwei Fläschchen spendiert. So wurde das wöchentliche Ritual abgesichert. So konnte keiner sagen, du trinkst ja schon wieder Bier. Der Hinweis auf das Spendieren ließ alle Kritiker schweigen.

Für uns Kinder war das Ritual, schnell fertig zu werden, damit wir wieder spielen konnten. Und das waren unsere Gespräche untereinander. Wann treffen wir uns wo und was machen wir. Damit war der Rest des Tages abgesichert. Übrigens: Schaden von dieser Arbeit hat keiner von uns genommen. Ei Gude, wie!

Zum Autor

Er sei ein waschechter Neuenhaßlauer, sagt er von sich selbst. Helmut Müller (73) ist in Neuenhaßlau als 4. von 7 Kindern geboren und ein typisches Nachkriegskind dazu. Seine Mutter Hessin und evangelisch, sein Vater Sudetendeutscher und katholisch, aber kein Flüchtling, sondern Kriegsgefangener, der nicht in seine angestammte Heimat zurückkonnte. Er wächst in einem 4 Generationen Haus mit den Eltern, sechs Geschwistern, Oma und Opa sowie Onkel und der Ur-Großmutter auf. Der Spielplatz war die Straße. In der Volksschule, die er mit dem Hauptschulabschluss beendete, war deutsch seine erste Fremdsprache, die er lernen musste. In späteren Jahren hat er seine mittlere Reife und das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt und das Ganze als Diplom Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen. Er war in etlichen Vereinen aktiv. Man könnte ihn getrost als „Vereinsmeier“ bezeichnen. Er hat dabei fast alle Positionen, die ein Vorstand hat, begleitet. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!



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