Eine Sache, die wir alle schon erlebt haben: Du kommst ins Geschäft und gefühlt steht das halbe Dorf vor dir und hatte die gleiche Idee, war nur früher dort. Und ausgerechnet jetzt hast du es extrem eilig. Du musst in wenigen Minuten an einem anderen Ort sein. Hier sage ich ihnen, haben sie nur eine Möglichkeit, bevor der Adrenalinspiegel in das unendliche steigt - umdrehen und raus. So kommen sie am schnellsten an das nächste Ziel.
Wenn jemand dauerhaft unter körperlicher oder emotionaler Anspannung steht, schüttet der Körper über einen längeren Zeitraum permanent Adrenalin aus. Der Körper steht dann ständig unter „Strom“. Dies kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Ein langfristig erhöhter Adrenalinspiegel im Blut kann zu Bluthockdruck und in der Folge zu Arteriosklerose und einem überaktiven Stoffwechsel führen. Es können Beschwerden wie Schweißausbrüche, Herzklopfen, Herzrasen, Kopfschmerzen, Unruhe und Brustenge auftreten. Wenn sie also nicht die „kalte Schnauze“ haben und keine „Zeit“ haben, sollten sie wirklich sofort gehen und in ihren Arbeitsplan fortfahren.
Die Lehre daraus sollte sein, immer ein „Zeitpolster“ zu haben, um unvorhersehbare Ereignisse, wie warten in einer „Schlange“ vor der Kasse entgegenzuwirken. Die Kassenschlange ist dabei ein eher kleineres Übel. In kleineren Läden stehen die Mitmenschen in einem Haufen vor dir. Für Gerechtigkeitsfanatiker eine echte Herausforderung. Er muss sofort abzählen wer vor ihm ist und sich die Gesichter merken. Gleichzeitig muss er die neu hinzugekommenen registrieren. „Noch neun vor mir und sechs hinter mir.“ Die Letzteren werden besonders beobachtet, denn der „Vordrängler“ soll keine Chance haben, nicht bei mir. Warum protestieren Wartende, wenn jemand in die Reihe dringt?
Auch ohne Kenntnis der einschlägigen Literatur schwant dem Laien, dass darüber seit Jahren ein Gelehrtenstreit tobt. Und in der Tat, seit vielen Jahren ringen zwei Theorien miteinander: Der einen Lehrmeinung zufolge reagieren die Leute auf Vordrängler, wenn sie befürchten, dass sie deshalb länger warten müssen oder gar leer ausgehen. Anhänger der konkurrierenden Theorie verweisen indes darauf, dass der Positionsverlust häufig nur minimale Kosten mit sich bringt, wenige Wartesekunden zum Beispiel. Dennoch wird protestiert. Warum? Weil der Vordrängler die Normen eines sozialen Systems verletze, der Warteschlange nämlich.
Während ich also das Geschehen voll im Blick habe, darf ich nicht vergessen, was ich haben will. Und so kommt es, dass eine freundliche Stimme sagt, „der Nächste bitte“ und du sagst, „Guten Morgen, ich bin dran, null vor mir, acht hinter mir, keiner hat sich vorgedrängelt und ich habe vergessen, was ich einkaufen soll. Geben sie mir das, was ich immer morgens bei Ihnen einkaufe.“ Die Verkäuferin lacht und packt dir deine täglichen Siebensachen in eine Tüte. Du atmest durch und denkst: Stau is nur hinne blöd, vorne geht’s - und machst dich vom Acker. Ei Gude, wie!
Zum Autor
Er sei ein waschechter Neuenhaßlauer, sagt er von sich selbst. Helmut Müller (72) ist in Neuenhaßlau als 4. von 7 Kindern geboren und ein typisches Nachkriegskind dazu. Seine Mutter Hessin und evangelisch, sein Vater Sudetendeutscher und katholisch, aber kein Flüchtling, sondern Kriegsgefangener, der nicht in seine angestammte Heimat zurückkonnte. Er wächst in einem 4 Generationen Haus mit den Eltern, sechs Geschwistern, Oma und Opa sowie Onkel und der Ur-Großmutter auf. Der Spielplatz war die Straße. In der Volksschule, die er mit dem Hauptschulabschluss beendete, war deutsch seine erste Fremdsprache, die er lernen musste. In späteren Jahren hat er seine mittlere Reife und das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt und das Ganze als Diplom Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen. Er war in etlichen Vereinen aktiv. Man könnte ihn getrost als „Vereinsmeier“ bezeichnen. Er hat dabei fast alle Positionen, die ein Vorstand hat, begleitet. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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