Neulich bin ich wieder einmal mit dem Bus gefahren und ich hatte meine Hörgeräte wieder einmal an. War sozusagen auf Empfang eingestellt. Mein Ziel war Hanau. Ich hatte einen Arzttermin und wollte noch auf den Wochenmarkt. Mir gefällt der Hanauer Wochenmarkt. Schönes Ambiente, man trifft immer irgendwelche Bekannte. Manchmal sogar Freunde. Ich esse gerne einen Nierenspieß.
Doch zurück zum Bus. Er war fast pünktlich und es gab noch reichlich Platz. Ich nahm vor zwei ebenfalls älteren Herren Platz, die in ein Gespräch vertieft waren. Ich platzte sozusagen in ihr Gespräch, denn sie hörten einen Moment auf zu reden und musterten mich. Scheinbar stellte ich keine Gefahr dar, sodass sie ihr Gespräch wieder aufnahmen. Sie redeten mir von hinten wunderbar in meine Hörgeräte. Fast schon ein wenig zu laut. Ich holte mein Mobiltelefon hervor, um die Lautstärke des Gerätes zu regulieren.
„Guck der den vor uns an, kaum sitzt er, holt er schon sein Handy heraus. Furchtbar, so ein Ding kommt mir nicht in die Tasche“, meckerte der am Fenster sitzende. Der andere erwiderte: „Also ich habe jetzt auch so ein Ding, und auch dabei, damit ich immer erreichbar für meine Frau bin. Nachher auf dem Markt werde ich sie anrufen. Sie wird mir dann am Obststand sagen, was ich mitbringen soll“. „Ja so eingesetzt, kann das ja sinnvoll sein, ich werde mir doch überlegen, ob ich mir nicht auch so ein Gerät anlege“, meinte der Fensterplatz und schob nach: „Was kost den so ein Apparat in der Anschaffung und was komme da für monatliche Koste auf einen zu?“ Die Antwort ließ nicht auf sich warten: „Ei dann las uns nachher in den Lade gehe wo ich meins gekauft hab, der liegt auf unserem Weg.“ Antwort: „Also gut, das mache mir zweibeide dann, aber sag mir doch einmal, was so ein Gerät alles kann bzw. was ich brauchen könnte?“
„Ach ja, zunächst einmal kannst du damit telefonieren, mit der ganzen Welt, versteht sich, aber mir telefonieren doch nur innerhalb von Deutschland. Zwischenfrage: Wo verbringst du dein Urlaub?“ „Auf Balkonien bei Geranien“, kam es von der anderen Seite schlagartig lachend. Lachend der Erklärer: „Dann ist ja alles klar. Am besten nimmst du eine Flatrate…“, der Neugierige fuhr dazwischen: „Was ist denn das!!“ „Ei das sind die Gebühren, wo das Ding kostet, da kannst du so lange telefonieren, wie du willst, für einen Preis. Das ist supergünstig. Meins kostet 19,99 Euro im Monat“. „Und das Gerät!“, kam die nächste Frage nach: „Das kommt auf das Modell an. Je mehr man will, desto teurer, ist doch klar. Die haben aber auch ganz günstige, schon ab einen Euro!“ „Das ist ja geschenkt, da legen die ja noch drauf!“, kam die Erwiderung. „Na ja, dafür musst du einen zwei Jahresvertrag mit dem Anbieter abschließen.“
Es wurden noch etliche Sachen angesprochen, die ein Mobiltelefon so alles kann. Fotografieren, Terminplan; Adressbuch, Taschenrechner und natürlich Computer mit allem, was dazu gehört und soziale Medien. Die Augen des am Fenster sitzenden wurden immer größer und der Mund immer wässriger, er fing an zu spucken. „Was so ein Ding alles kann, sagenhaft!“ Wir waren in Hanau angekommen und stiegen aus und ich stellte mein Hörgerät wieder lauter. Da fragten mich die Herren, was ich da mache, ich antwortete, „Ich stelle mein Hörgerät leiser“ und lachte. Beide schauten mir noch lange nach. Ei Gude, wie!
Zum Autor
Er sei ein waschechter Neuenhaßlauer, sagt er von sich selbst. Helmut Müller (72) ist in Neuenhaßlau als 4. von 7 Kindern geboren und ein typisches Nachkriegskind dazu. Seine Mutter Hessin und evangelisch, sein Vater Sudetendeutscher und katholisch, aber kein Flüchtling, sondern Kriegsgefangener, der nicht in seine angestammte Heimat zurückkonnte. Er wächst in einem 4 Generationen Haus mit den Eltern, sechs Geschwistern, Oma und Opa sowie Onkel und der Ur-Großmutter auf. Der Spielplatz war die Straße. In der Volksschule, die er mit dem Hauptschulabschluss beendete, war deutsch seine erste Fremdsprache, die er lernen musste. In späteren Jahren hat er seine mittlere Reife und das Fachabitur für Wirtschaft und Verwaltung nachgeholt und das Ganze als Diplom Verwaltungswirt (FH) abgeschlossen. Er war in etlichen Vereinen aktiv. Man könnte ihn getrost als „Vereinsmeier“ bezeichnen. Er hat dabei fast alle Positionen, die ein Vorstand hat, begleitet. Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
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