Am 24. September fielen die schwarzen Vorhänge, die die Ausstellungsräume an der attraktiven Nordfassade des Wetterau-Museums direkt gegenüber der Stadtkirche bisher von der Außenwelt abgeschirmt hatten. Damit öffnet sich das Museum auf dieser Seite mit neuen Sichtbezügen dem öffentlichen Raum – es wird buchstäblich Transparenz geschaffen und der Blick von innen nach außen sowie von außen nach innen ermöglicht.
Viel zu sehen wird es geben, denn an besagter Nordseite des Museumskomplexes befinden sich mit den sechs ehemaligen Einfahrten der Feuerwehr die größten verglasten Flächen des Gebäudes. Hier – auf Höhe der vorbeilaufenden Passantinnen und Passanten – hat das Museum das größte Potential, nach außen zu wirken und neugierige Blicke ins Innere spähen zu lassen.
Das Verhängen der Fensterfronten gehörte 1986 zum gestalterischen Konzept der damals neu eingerichteten Dauerausstellung „Von der Sichel zur Dreschmaschine – Motorisierung und Mechanisierung in der ländlichen Arbeitswelt in der Wetterau 1800 – 1950“. Zuvor war ab der Errichtung des Nordflügels in den Jahren 1912 bis 1913 in diesem Teil des Gebäudes bis 1983 das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr untergebracht. Die Einrichtung einer Abteilung zur Landtechnik im 19. und 20. Jahrhundert war bereits zuvor Teil einer Museumsneukonzeption von 1977/78, die im 1. Bauabschnitt zum Hessentag in Friedberg 1979 umgesetzt wurde. Der Grund ist naheliegend: Das Thema Landwirtschaft ist für die Wetterau ein zentrales Thema, nicht nur für das 19. und 20 Jahrhundert, sondern seit der Zeit der ersten Ackerbauern in Hessen vor 7.500 Jahren über die Römer und das Mittelalter bis in unsere Gegenwart hinein. Damit durfte das Thema natürlich auch in den Räumlichkeiten des Wetterau-Museums nicht fehlen.
Inhaltlich geht es der landwirtschaftlichen Abteilung um einen ausdrücklich sozialgeschichtlichen Ansatz, in dem die Veränderung in der ländlichen Arbeitswelt im Zeitalter der Industrialisierung gezeigt wird. Nach der Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Oktober 1986 erregte diese große Aufmerksamkeit in der hessischen Museumslandschaft und wurde auch kontrovers diskutiert. Das hatte vor allem auch mit dem gestalterischen Konzept der Ausstellung zu tun, bei dem die Räume vollständig schwarz gehalten wurden, das Tageslicht ausgesperrt wurde und die Exponate mit Strahlern in Szene gesetzt wurden. Es sollte dabei um eine „antinostalgische Präsentation“ gehen, bei der keine „Scheunenromantik“ nachgebaut werden sollte. Dazu trugen neben dem Schwarz der Vorhänge und dem künstlichen Licht auch die Industriegerüste bei, die die Ausstellungsarchitektur bestimmen.
Nach 39 Jahren soll die Ausstellung nun abgebaut werden, um auf 225 qm Fläche neue Potentiale für das Wetterau-Museum zu eröffnen. „In den kommenden Jahren soll der so freigewordene und erhellte Innenraum des Gebäudes für Sonderausstellungen genutzt werden und die Attraktivität des Museums erhöhen.“, erläutert Museumsleiter Johannes Kögler. Mit dem Fallen der Vorhänge begann nun der finale Countdown für die Ausstellung zur Landwirtschaft, die noch bis zum 30.11.2025 zu sehen sein wird. Damit wird allen Interessierten eine letzte Möglichkeit gegeben, die Ausstellung zu besuchen. Für diejenigen, die die Dauerausstellung in ihrer langen Geschichte bereits besucht haben bietet sich außerdem die Gelegenheit, sie wortwörtlich in einem neuen Licht zu bestaunen. Ab dem 01.12.2025 wird dann schließlich mit dem Rückbau der Ausstellung begonnen. Sobald der Abbau der Exponate beendet ist werden die Räumlichkeiten in Stand gesetzt, um dann im Anschluss mit neuen Sonderausstellungen bespielt werden zu können.
„Mit dem Abschluss der Landwirtschaftsausstellung zum 30. November 2025 schlagen wir im Wetterau-Museum ein neues Kapitel auf. Der Abschied schafft Raum für zeitgemäße Formate, ohne die Wurzeln unserer landwirtschaftlich geprägten Region aus dem Blick zu verlieren.“, erklärt Bürgermeister Kjetil Dahlhaus.
Für alle, die die gegenwärtige Dauerausstellung also noch ein erstes oder ein letztes Mal sehen wollen heißt es daher nun also „nichts wie los“, denn der Countdown ist gestartet und die Uhr tickt!

Lukas Hölzinger (Amtsleiter für soziale und kulturelle Dienste und Einrichtungen), Bürgermeister Kjetil Dahlhaus, Anna-Mala Kolaß und Johannes Kögler (Museumsleiter). Foto: Stadt Friedberg/ Hessen

Schaffen Transparenz: Museumsleiter Johannes Kögler und Bürgermeister Kjetil Dahlhaus

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