Statt sich mit Computertechnik und Programmiersprachen zu beschäftigen, tauchen die Studierenden der Medieninformatik in ihre eigenen Fantasiewelten ab. Möglich macht das ein Lehrangebot von Diplom-Designer Hans-Michael Kirstein an der THM. Er vermittelt den jungen Menschen im Modul „Zeichnen und Storyboarding" Kenntnisse über Zeichenstile, Illustrationen und eben Storyboarding, also die visuelle Darstellung einer Geschichte oder von Schlüsselszenen beispielsweise eines Films.
Neben dem theoretischen Wissen verfeinern die Studierenden ein Semester lang ihr handwerklich-zeichnerisches Können bei ihm. Am Ende entwirft jede und jeder ein eigenes Storyboard mit einer eigenen Geschichte.
Einige dieser studentischen Werke werden aktuell in den Fluren der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Friedberg ausgestellt und sind für die interessierte Öffentlichkeit kostenfrei zugänglich. Noch das gesamte Sommersemester 2025 bis Mitte Juli sind die Zeichnungen im Gebäude A4, in den Fluren des Erd- und Sockelgeschosses, zu sehen.
Storyboards sind das Bindeglied zwischen einem Drehbuch und der Realisation eines Films, einer Serie, eines Werbeclips oder eines Computerspiels. „Sie sind der unsung hero – die stillen Helden – in der Filmindustrie", erklärt Kirstein den Anwesenden vor Ausstellungseröffnung. Storyboards setzen nicht nur zeichnerisches Talent voraus, sondern auch einen besonderen Blick auf Szenen, ein „hohes cinematographisches Verständnis", das Kirstein seinen Studierenden bescheinigt. „Wir holen in diesem Wahlpflichtmodul ein bisschen Hollywood oder Babelsberg an die THM", sagt er.
Für Hochschul-Präsident Prof. Dr. Matthias Willems ist die Ausstellung, für die er die Schirmherrschaft übernommen hat, ein gelungenes Zeichen, dass die THM nicht nur technische Lösungen bieten kann, sondern auch Kunst und Kreativität dort Raum haben. „Um technische Innovationen zu vermitteln, benötigt es oft auch etwas Kreativität", sagt er zur Ausstellungseröffnung.
Karoline Ottos Storyboard ist Teil der Schau. Die Augen der Studentin leuchten, als sie von Kirsteins Wahlpflichtmodul erzählt – einem Ort, an dem sie ihre Kreativität ausleben konnte und viel dazulernen durfte. Nach Abschluss ihres Studiums der Medieninformatik würde sie gerne in einem kreativen Beruf in der Filmindustrie arbeiten. „Ich zeichne schon seit Schulzeiten gerne und habe mir alles autodidaktisch beigebracht", sagt sie. Die Charaktere und die Welt für ihr Storyboard habe sie bereits vor einigen Jahren entwickelt und nun in fünf Wochen als Abschlussarbeit realisiert. Auch Kirstein zeigt sich begeistert von den detailreichen Figuren und der präzisen Ausarbeitung von Licht und Schattenwurf. Die Studentin hat ihre Szenen in Grautönen gehalten – so muss jeder Strich sitzen, nichts kann mit Farben überdeckt werden. Bevorzugt zeichnet sie digital am iPad, seltener nimmt sie klassisch Bleistift und Skizzenbuch zur Hand.
Dass ihr Storyboard nun öffentlich zu sehen ist, freut Karoline Otto besonders. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es Teil der Ausstellung wird. Viele meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen bewundere ich sehr für ihren Zeichenstil", sagt sie.
Kuratiert wird die Ausstellung auch vom Förderverein „Freunde und Förderer der THM Friedberg". Dieser gewährt unter anderem Zuschüsse zu Exkursionen und experimentellen Abschlussarbeiten, beteiligt sich beispielsweise an Anschaffungen von Laborgeräten, Projekten und der Förderung von Studierenden durch Stipendien.
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