Biberbäume im Winter liegen lassen

Hessen
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Der Winter bietet gute Möglichkeiten, Wildtieren auf die Spur zu kommen. Vielerorts lassen sich nun ihre Trittsiegel im frischen Schnee am Wegesrand entdecken.

Deshalb eignet sich der Winter auch ideal, um Biberreviere zu kontrollieren und neue zu ermitteln. „Jetzt sind viele unserer ehrenamtlichen NABU-Biberbotschafter*innen draußen unterwegs und kartieren Biberspuren“, erklärt NABU-Biberexpertin Dr. Sybille Winkelhaus. Das erfolge natürlich mit aller Vorsicht, um die Tiere nicht unnötig zu stören. Der NABU ruft dazu auf, Wildtieren wie dem Biber im Winter nicht nachzustellen und sie ganz in Ruhe zu lassen. „Die Spuren von Biber & Co lassen sich auch gut vom Wegrand aus beobachten, dafür muss man die Wege nicht verlassen“, so Winkelhaus.

Bäume als Winternahrung
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Da den Bibern im Winter keine krautige Nahrung zur Verfügung steht, fällen die Tiere in der kalten Jahreszeit häufiger Bäume. So gelangen sie an die zarten Zweige und Knospen sowie an die nahrhafte Rinde, die jetzt eine wichtige Nahrungsgrundlage für die großen Nager sind. Biber halten keinen Winterschlaf und brauchen auch im Winter immer wieder frische Nahrung. „Wichtig ist es, von Bibern gefällte Bäume in Ufernähe liegen zu lassen oder gegebenenfalls nur etwas beiseite zu rücken. Werden sie weggeräumt oder die Kronen gehäckselt, hat der Biber auf einen Schlag deutlich weniger zu fressen und muss den nächsten Baum fällen“, erklärt Winkelhaus. Wer wertvolle Gehölze oder Obstbäume vor einem Verbiss durch Biber schützen möchte, kann das durch Drahtummantelungen oder spezielle Anstrichmittel tun. Im Frühling und Sommer stellen die Biber ihre Ernährung wieder auf krautige Pflanzen wie Brennnesseln, Giersch, Schilf, Rohrkolben, Seerose und verschiedene Gräser um. Es sind über 350 krautige Pflanzen dokumentiert, die vom Biber als Nahrung genutzt werden. 

Kostengünstiger Gewässerarchitekt 
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Manchen Gewässeranrainern sind die baulichen Begabungen der fleißigen Biber ein Dorn im Auge. Für Hessen ist der geschickte pelzige Baumeister jedoch eine großartige Unterstützung bei den kostenintensiven Gewässerrenaturierungen. Bis 2015 sollten nach EU-Vorgaben eigentlich alle Gewässer einen guten ökologischen Zustand erreichen. Hessen ist jedoch immer noch meilenweit davon entfernt. Dabei könnte der Biber ganz leicht dabei helfen, das wichtige Ziel zu erreichen. Die gestalterischen Ambitionen des geschickten Nagers verwandeln begradigte und verbaute Flüsse zum Nulltarif in naturnahe Gewässerlandschaften. Deshalb setzt sich der NABU für die Ausweisung von natürlichen Gewässerufern ein. Solche 10 bis 30 Meter breiten Schutzzonen bieten ihm die Möglichkeit, Bäche und Flüsse frei zu gestalten, ohne uns Menschen groß in die Quere zu kommen. Durch seine emsigen Aktivitäten schafft der Biber attraktive neuen Lebensräume für viele andere gefährdete Arten wie Libellen, Wasservögel und Frösche.

Der Biber in Hessen
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Biber sind dämmerungs- und nachtaktive Säugetiere und die größten bei uns heimischen Nagetiere. Sie werde inklusive Kelle bis zu 1,30 Meter lang und 30 Kilogramm schwer. Biberpaare bleiben sich ein Leben lang treu. Sie säugen ihre ein oder zwei Jungen nur kurz, danach fressen diese Pflanzen. Die Jungen können gleich schwimmen, müssen das Tauchen aber lernen. In Hessen leben derzeit rund 2.600 Biber (Stand 2025). Nach seiner Ausrottung durch den Menschen – der letzte Biber wurde 1846 erlegt –  der Nager Ende der 1980er Jahre im Spessart wieder angesiedelt. Von dort aus breitete er sich schrittweise entlang der großen Flüsse wieder in Hessen aus. Seine einstigen Lebensräume, die Flussauen und Bruchwälder, haben sich allerdings stark verändert. Viele Flüsse sind begradigt und verbaut, Ufer sind trockengelegt und einstige Überschwemmungsflächen werden als Ackerland, Wald oder Bauland genutzt. Konflikte mit Bibern sind dennoch relativ selten. Wo sie lokal auftreten, helfen ehrenamtliche NABU-Biberbotschafter*innen und staatliche Biberberater, pragmatische Lösungen für Mensch und Biber zu finden.



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