Wolfsrudel etabliert sich im Territorium Greifenstein

Hessen
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Für das Wolfsterritorium Greifenstein im Lahn-Dill-Kreis, das bisher als Lebensraum von zwei sesshaften Wölfen bekannt war, wurden durch das Wolfszentrum Hessen nun vier weitere Tiere bestätigt.

Damit ändert sich der offizielle Status der Greifensteiner Wölfe von Paar zu Rudel.

Entwicklung der Greifensteiner Wolfspopulation

Die in Leuscheid geborene Fähe GW2479f gilt als die erste sesshafte Wölfin im Territorium Greifenstein. Der Rüde GW2478m wurde bereits im Jahr 2022 einmalig in der Region Greifenstein dokumentiert, bevor er weiter nach Hachenburg in Rheinland-Pfalz wanderte. Dort lebte er mit einer weiteren Wurfschwester und zeugte mehrere Jahre in Folge Nachwuchs, zuletzt im Monitoringjahr 2024/25. Seine Rückkehr nach Greifenstein im Februar 2025 konnte sowohl genetisch als auch durch Fotofallenaufnahmen eindeutig nachgewiesen werden. Auf den Aufnahmen ist unter anderem zu sehen, wie die Geschwister gemeinsam markieren – ein typisches Verhalten territorialer Wolfspaare. Das vorliegende Videomaterial zeigt sechs etwa gleich große Tiere. Sollte es sich tatsächlich um das sesshafte Paar mit vier Jungtieren handeln, wären diese bereits so weit herangewachsen, dass sie äußerlich nicht mehr von erwachsenen Wölfen zu unterscheiden sind. Eine eindeutige Klärung der Verwandtschaftsverhältnisse ist nun ausschließlich über genetische Analysen möglich.

Inzucht bei Wölfen – selten, aber möglich

Inzucht kommt bei Wölfen insgesamt selten vor, ist jedoch nicht ausgeschlossen. Die frühere Verpaarung von GW2478m mit einer Wurfschwester in Rheinland-Pfalz zeigt, dass solche Konstellationen auftreten können. Aus wissenschaftlicher Sicht verfügen Wölfe über wirksame Mechanismen zur Vermeidung von Inzucht, weshalb sie in großen, vernetzten Populationen selten vorkommt. Durch den Wolfsforscher L. David Mech ist bereits seit den 1990er-Jahren wissenschaftlich belegt, dass Inzucht bei Wölfen meist vermieden wird.

Eine genetische Langzeitstudie des US Geological Survey zeigt ebenfalls, dass sich Grauwölfe nur selten mit engen Verwandten paaren. Zusätzlich fand Deborah E. Smith mit ihrem Team heraus, dass Inzucht vor allem dort auftritt, wo soziale Strukturen, Abwanderungsmöglichkeiten und ökologische Bedingungen stark eingeschränkt sind – etwa in kleinen oder neu gegründeten Populationen, in denen der sogenannte Gründereffekt die genetische Vielfalt von Anfang an begrenzt. Eine spontane Inzucht bei optimalen Bedingungen ist sehr selten.

Das Wolfszentrum Hessen geht davon aus, dass der Nachwuchs keine gesundheitlichen Einschränkungen haben wird. Dies ist für Wölfe erst nach wiederholtem Auftreten über mehrere Generationen dokumentiert.

Weiteres Monitoring und Bitte an die Bevölkerung

Das Wolfszentrum Hessen beobachtet die Situation im Territorium Greifenstein weiterhin aufmerksam. Die Bevölkerung wird gebeten, Sichtungen, Fotos oder sonstige Hinweise zu Wölfen im Raum Greifenstein zu melden. Meldeportal: https://monitoring.wolfszentrum.hessen.de.



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