Wer eine Wohnung sucht, der ist aktuell nicht zu beneiden. Man kann es drehen und wenden, wie man will: Das Angebot – vor allen Dingen von bezahlbaren – Wohnungen ist eher bescheiden. Eine Ursache ist sicherlich der Tatsache geschuldet, dass niemand eine vergleichsweise günstige Bleibe so mir nichts dir nichts aufgibt. Warum sollte eine Senioren-Ehepaar denn seine aus der Vergangenheit eher großzügig bemessene Wohnung aufgeben, wenn eine kleinere Behausung in etwa gleich viel kostet, wenn nicht sogar teurer ist?
Damit steht ein bedeutender Teil des Angebotes auf dem Wohnungsmarkt faktisch nicht zur Verfügung. Und das obwohl ältere Menschen sich aus verschiedenen Gründen recht gern mit weniger Wohnraum bescheiden. Für Jüngere und für junge Familien keine gute Nachricht, weil sie jetzt wohl deutlich tiefer in die Geldbörse greifen müssen als geplant. Und was den Wohnungsneubau angeht, sehen die Zahlen auch nicht gerade rosig aus, Nach der aktuellen Statistik wurden im vergangenen Jahr deutlich weniger als 250 000 Baugenehmigungen für Neubauwohnungen erteilt. Allein um die Nachfrage bis 2030 zu befriedigen, wären 350 000 neue Wohnungen pro Jahr erforderlich. Davon sind wie sehr weit entfernt.
Wie ist dieses große Defizit entstanden? Der demografische Wandel ist sicherlich eine Ursache, auch der Trend zu Single-Haushalten dürfte das Seine beigetragen haben. Nicht zu vergessen ist die Migration – sowohl die legale als auch die illegale. Allein 2015 waren es 1,5 Millionen Menschen, und seitdem sind es jährlich Hunderttausende, die nach Deutschland kamen und nach wie vor kommen. Jetzt mag man einwenden, dass sehr viele in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht wurden und werden. Diese Gebäude – oft ehemalige Liegenschaften des Bundes stehen mithin für eine Umnutzung in Sozialwohnungen in absehbarer Zeit nicht zur Verfügung. Darüber hinaus wurde und werden vom Staat weiterhin Quartiere angemietet, um Zuwanderer unterzubringen.
All diese Maßnahmen wirken sich aber noch in anderer Hinsicht auf den Wohnungsmarkt aus, denn dieser Wohnraum wurde in der Vergangenheit gern von Beziehern niedriger Einkommen in Anspruch genommen. Mit den von der öffentlichen Hand gebotenen Preisen kann diese Personengruppe nicht mithalten und stürzt sich damit auf den Rest der verbliebenen Sozialwohnungen und auf günstige Angebote in weniger attraktiven Lagen. Fazit: Neuer Druck auf den Wohnungsmarkt von unten.
Die Politik versucht mit der sogenannten „Mietpreisbremse“ entgegenzusteuern. Bei preiswerten Mietwohnungen greift diese Maßnahme ohnehin nicht, und im Ergebnis entsteht dadurch auch keine einzige neue Wohnung. Und genau die brauchen wir,
Zum Autor
Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (75) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere. Nach Stationen als Redaktionsleiter und Publizist mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von mehreren Büchern ist der gelernte Redakteur als "Freier Autor" aktiv. Von 1977 bis 2001 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an und war zehn Jahre lang CDU-Fraktionsvorsitzender in Erlensee. Partei und aktiver Politik hat er vor mehr als 20 Jahren den Rücken gekehrt. Er lebt heute mit seiner Familie in Biebergemünd.
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