Planungszeiten

Vogler
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Überall in der Bundesrepublik wird beklagt, dass es sehr, sehr lange dauert, ehe ein Projekt komplett durchgeplant ist und die Umsetzung beginnen kann. Insbesondere bei Bauten der öffentlichen Hand und oder bei staatlich kontrollierten Betrieben – wie zum Beispiel der Bundesbahn – dauert es eine gefühlte Ewigkeit, ehe auch dringend erforderliche Veränderungen in die Praxis umgesetzt werden.

Mal ist es die kostbare Mopsfledermaus, die ihr angestammtes Habitat zu verlieren droht, manchmal ein seltener Käfer oder eine vom Aussterben bedrohte Pflanzenkultur, die ein allseits gewünschtes Projekt verzögert oder gänzlich zum Scheitern bringt.

Beim Aus- Umbau sowie bei der Modernisierung der Bahnstrecke zwischen Gelnhausen und Gießen – und hier insbesondere im Abschnitt zwischen der Barbarossastadt und Stockheim – ist seit Jahren zu beobachten, welche kleinen und großen Hindernisse sich auftun, wenn ein in die Jahre gekommener Gleiskörper die dringend erforderliche Modernisierung erfährt.

Nicht einmal 15 Kilometer lang ist der Gleisstrang zwischen Gelnhausen und Büdingen, an dem jetzt mittlerweile seit fast drei Jahren gewerkelt wird. Jetzt im November diesen Jahres war (nach einigen Verzögerungen) von der Bahn die Wiederaufnahme des Schienenverkehrs angekündigt worden. Das war im Sommer 2025. Vor wenigen Tagen verkündete die Bahnverwaltung dem staunenden Publikum, dass das nichts wird.

Schenkt man den Ankündigungen der Bahn Glauben, dann bleibt die Strecke zwischen Gelnhausen und Lieblos noch „bis zum Frühjahr“ des kommenden Jahres gesperrt. Und wer sich mit dem Kalender ein wenig auskennt, dem ist auch bekannt, dass sich das „Frühjahr“ von Ende März bis Ende Juni hinzieht. Man kann also getrost und gefühlt vom Frühsommer 2026 ausgehen. Will heißen, dass die Erneuerung der in Rede stehenden Bahnstrecke fast drei (!!) Jahre in Anspruch nimmt. Und das Ganze ohne Neuplanung einer Trasse! Lediglich Gleiskörper und Unterbau wurden erneuert. Nicht zu vergessen die sogenannte „Leit- und Sicherungstechnik“. Das war aber schon vor Baubeginn bekannt und warum man gerade jetzt darauf kommt, dass hier noch noch Arbeiten zu erledigen seien, wird stets zu den unergründlichen Geheimnissen in den Planungsabläufen der Bahn gehören.

Dazu ein Vergleich aus China: Ein bemerkenswertes Beispiel für einen schnell gebauten Flughafen ist der Shenzen Boa án International Airport in der gleichnamigen Industrieregion. In 168 Tagen wurde das Projekt bereits im Jahr 1991 fertiggestellt, mithin in weniger als einem halben Jahr! In der Region Gelnhausen wären die Menschen bereits zufrieden, wenn der Bahnausbau in einem Jahr, was sage ich in eineinhalb Jahren komplett fertig gewesen wäre.

Zum Autor

Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (74) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere. Nach Stationen als Redaktionsleiter und Publizist mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von mehreren Büchern ist der gelernte Redakteur bis heute als "Freier Autor" aktiv. Von 1977 bis 2001 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an und war zehn Jahre lang CDU-Fraktionsvorsitzender in Erlensee. Partei und aktiver Politik hat er vor mehr als 20 Jahren den Rücken gekehrt. Er lebt heute mit seiner Familie in Biebergemünd.



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