Ein Hoch auf die Hausärzte

Vogler
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Wohl dem, der einen erstklassigen Hausarzt hat, der ihn zu allen Zeiten nicht nur gut versorgt, sondern auch mit Rat und Tat zur Seite steht. Gewiss, auch beim Hausarzt sind während der aktuellen Erkältungssaison Wartezeiten mitunter unvermeidlich. Gründe für volle Wartezimmer gibt es reichlich. Die wichtigsten sind der demografische Wandel und damit eine Gesellschaft, die immer älter wird und das bei gleichzeitig abnehmender Zahl von Medizinern, die – wie alle Menschen – nach Jahren anstrengender Tätigkeit in den Ruhestand gehen.

Hört man auf die Auguren im Gesundheitswesen, dann müssen wir uns in nicht allzu ferner Zukunft von manch lieb gewordener Gewohnheit beim Hausarztbesuch verabschieden. Wie auf allen Gebieten des menschlichen Lebens wird auch in der Heilkunst die IT-Technik Einzug halten. Anstatt eines Plausches mit dem „Herrn oder der Frau Doktor“ wird ein elektronisches Gerät wichtige Parameter abfragen, um die Hausarztpraxis zu entlasten.

Ganz anders sieht es jedoch aus, wenn der Besuch eines Facharztes angesagt ist und vom Hausarzt per Überweisung angeordnet wird. In den meisten Fällen ist dann bei Orthopäden, Kardiologen und Neurologen – um nur einige Beispiele zu nennen – mit mehrwöchigen Wartezeiten zu rechnen, um den angefragten Termin zu erhalten. Dies gilt insbesondere dann, wenn das Leiden des Patienten nicht lebensbedrohend ist und eine sogenannte „planbare Behandlung“ ansteht. Dass während dieser Wartezeit die Beschwernisse nicht besser werden, sondern sich eher verschlimmern, versteht sich von selbst.

Bei den erforderlichen fachärztlichen Behandlungen wird es im Normalfall recht schwierig, einen ersten Kontakt mit der Facharztpraxis herzustellen. Die Telefonleitung ist oft nur kurze Zeit am Tag für Anrufe freigeschaltet. Und selbst während dieser Zeit ertönt regelmäßig das Besetztzeichen oder der automatisierte Hinweis, wonach sich „alle Mitarbeiter im Gespräch befinden“ und der Anrufer es möglichst zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen möge – obwohl dann erneut der besagte Ton ertönt. Oft sind daher längere Wege zur fachärztlichen Behandlung erforderlich – nach Aschaffenburg zu Beispiel. Aber dortige Praxen nehmen meist keine Patienten aus Hessen mehr an. Man ist mit dem heimischen Publikum mehr als ausgelastet.

Mitunter gibt es auch Hinweise darauf, dass der Kassenpatient nicht zu der bevorzugten Klientel gehört. So bietet eine kürzlich in Gelnhausen eröffnete Facharztpraxis für Selbstzahler und Privatpatienten Termine per E-Mail an. Für Kassenpatienten steht dieser Service nicht zur Verfügung, auch telefonische ist die Erreichbarkeit auf einige Stunden zu bestimmten Wochentagen limitiert und in dieser Zeit ist das Besetztzeichen ein Dauerzustand.

Zum Autor

Im Jahre 1971 startete Hans-Jörg Vogler (74) als nebenberuflicher Vereinsberichterstatter seine journalistische Karriere. Nach Stationen als Redaktionsleiter und Publizist mehrsprachiger, internationaler Kundenmagazine sowie als Autor von mehreren Büchern ist der gelernte Redakteur bis heute als "Freier Autor" aktiv. Von 1977 bis 2001 gehörte Vogler - mit einer kurzen Unterbrechung - als CDU-Abgeordneter dem Main-Kinzig- Kreistag an und war zehn Jahre lang CDU-Fraktionsvorsitzender in Erlensee. Partei und aktiver Politik hat er vor mehr als 20 Jahren den Rücken gekehrt. Er lebt heute mit seiner Familie in Biebergemünd.



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